Nach Streit mit gehbehindertem Vater: Sohn in Maraş von Anwohnern attackiert – Senior bittet um Aufnahme in Pflegeheim

16.04.2026 – 10:00 Uhr

Ein Familienstreit auf offener Straße im zentralanatolischen Kahramanmaraş artete in eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen Anwohnern und einem 34-jährigen Mann aus. Der Vorfall, bei dem der Sohn seinen Vater, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, bedrängt haben soll, wurde von Zeugen per Handykamera dokumentiert. Er endete mit einer Selbstauskunft des Seniors, der angab, künftig in einem Pflegeheim leben zu wollen.

Nach Zeugenaussagen und vorliegenden Videoaufnahmen ereignete sich der Vorfall im Stadtteil Karamanlı. Der 34-jährige Ayhan İ. soll seinen 69-jährigen Vater Alaattin İ., der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, nach Hause begleitet haben, als es zu einer verbalen Eskalation kam. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Sohn den gehbehinderten Vater mehrfach auffordert, aus dem Rollstuhl aufzustehen und zu laufen. In der Folge zwingt er den Senior offenbar, sich aus dem Sitz zu erheben, und tritt gegen den leeren Rollstuhl.

Die Szene blieb in der Nachbarschaft nicht unbeobachtet. Eine Gruppe junger Männer aus dem Viertel griff ein und ging auf den 34-Jährigen los, um den Vater in Schutz zu nehmen. Während der Sohn von den Jugendlichen geschlagen wurde, saß der 69-Jährige abseits auf einer Gartenmauer und verfolgte das Geschehen. Alarmierte Polizei- und Rettungskräfte rückten an, doch beide Parteien verzichteten auf eine gegenseitige Strafanzeige.

Gegenüber den Beamten gab der betagte Vater eine abweichende Darstellung der Situation zu Protokoll. Es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Sein Sohn leide unter einer bipolaren Störung und habe ihn aufgrund des schlechten Straßenzustands nicht im Rollstuhl schieben können. Deshalb habe er ihn gebeten, kurz aufzustehen. Gleichzeitig erklärte Alaattin İ., dass sein Sohn nicht in der Lage sei, angemessen für ihn zu sorgen. Er äußerte den ausdrücklichen Wunsch, in ein Pflegeheim umzuziehen.

Das zuständige Ministerium für Familie und soziale Dienste wurde umgehend informiert. Der 69-Jährige wurde noch am selben Tag in einer speziellen Pflegeeinrichtung untergebracht.

Die Anwohnerin Vusale Şimşek, die den Vorfall aus dem Fenster ihrer Wohnung filmte, zeigte sich tief betroffen. Sie habe zunächst Hilferufe gehört und dann gesehen, wie der Sohn den Vater von hinten bedrängt habe. „Ein junger Mann in Schwarz kam dazu und sagte: ‚Was machst du? Der Mann ist krank!‘“, schilderte Şimşek. Als der Sohn den Helfer weggestoßen habe, hätten sich weitere Nachbarn eingemischt. „Ich habe innerlich geblutet. Ich habe an diesem Tag viel geweint. Ich wollte nur, dass der Mann in ein Heim kommt – und das werde ich bis zum Ende verfolgen“, so die Zeugin.