Nach drei Jahren: “Unfall” in Marmaris entpuppt sich als mutmaßlicher Mord

Bild: DHA
06.05.2026 – 17:00 Uhr

Ankara/Marmaris. Drei Jahre nach dem Tod eines Mannes in Marmaris hat eine neu aufgerollte Untersuchung den Fall grundlegend verändert: Aus einem zunächst als Unfall gewerteten Geschehen ist ein mutmaßliches Tötungsdelikt geworden.

Die Ermittlungen wurden im Zuge der Arbeiten einer neu eingerichteten Spezialeinheit für ungeklärte Straftaten auf Anweisung von Justizminister Akın Gürlek wieder aufgenommen. Der 2023 verstorbene Abdullah Uslu war damals in seiner Wohnung durch einen Schuss ums Leben gekommen. Zeugen hatten angegeben, er habe sich im alkoholisierten Zustand versehentlich selbst verletzt. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt.

Nach einem Einspruch der Tochter des Opfers wurde die Entscheidung jedoch aufgehoben und die Ermittlungen vertieft. Dabei stellten die Behörden erhebliche Widersprüche in Zeugenaussagen fest. Ein kriminaltechnisches Gutachten kam zudem zu dem Schluss, dass sich die Waffe nicht durch einen Sturz unbeabsichtigt lösen konnte.

Auch die Spurenauswertung widersprach der ursprünglichen Version: Einschussorte, Patronenhülsen und weitere Befunde deuteten auf einen anderen Geschehensablauf hin. Zudem wurden bei mehreren anwesenden Personen Schmauchspuren festgestellt, was auf unmittelbare Nähe zur Schussabgabe schließen lässt.

Neue Hinweise ergaben sich auch aus abgehörten Telefonaten, die auf mögliche Absprachen und gegenseitige Belastungen unter den Beteiligten hindeuten. Ermittler werten dies als möglichen Hinweis auf ein gezieltes Vorgehen.

Eine zentrale Rolle spielt die geänderte Aussage der Ehefrau des Opfers. Sie erklärte, ihre früheren Angaben seien nicht korrekt gewesen und sie sei beeinflusst worden. Demnach habe es am Tattag ein Gerangel um die Waffe gegeben, bevor sich der tödliche Schuss löste.

Im Zuge der neuen Ermittlungen wurden die Ehefrau sowie eine Nachbarin verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Zwei weitere Verdächtige kamen unter Auflagen frei. Gegen alle Beteiligten wird wegen des Verdachts auf vorsätzliche Tötung ermittelt.

Die Behörden gehen inzwischen davon aus, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um ein Gewaltverbrechen handelt. Die Ermittlungen dauern an.