Istanbul. Vier indische Seeleute sind nach rund zehn Monaten auf einem verlassenen Frachtschiff vor der Küste Istanbuls endlich an Land zurückgekehrt. Türkische Behörden beendeten damit eine monatelange humanitäre Ausnahmesituation im Marmarameer vor dem Stadtteil Zeytinburnu.
Das unter mongolischer Flagge fahrende Schiff AZRA C lag seit August 2025 aufgrund technischer Probleme vor Anker. Die Lage eskalierte, nachdem im Januar mehrere Personen – darunter der Eigner des Schiffs – im Rahmen einer internationalen Drogenuntersuchung festgenommen wurden. In dem Fall ging es um die Sicherstellung von zehn Tonnen Kokain auf einem anderen Frachter nahe den Kanarischen Inseln.
Da das Schiff daraufhin ohne verantwortliche Betreiber blieb, wurde es faktisch aufgegeben. Gleichzeitig konnte es wegen seiner Klassifizierung und möglicher Sicherheitsrisiken nicht in einen Hafen geschleppt werden. Internationale Seerechtsvorschriften verlangten jedoch, dass eine Mindestbesatzung an Bord bleibt, wodurch die vier Seeleute das Schiff nicht verlassen durften.
Über Monate hinweg meldeten sich die Männer wiederholt per Funk und baten um Hilfe. Der Fall erregte schließlich auch in der türkischen Öffentlichkeit Aufmerksamkeit, nachdem eine große Tageszeitung über ihre Situation berichtete.
Auf Anweisung des türkischen Verkehrs- und Infrastrukturministers Abdulkadir Uraloğlu wurden schließlich Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet. Die Besatzung wurde mit einem Rettungsboot sicher an Land gebracht.
Während der gesamten Zeit standen die zuständigen türkischen Behörden in Kontakt mit der indischen Vertretung und sorgten für die Versorgung der Männer mit Lebensmitteln und wichtigen Gütern.
Nach ihrer Ankunft wurden die Seeleute den indischen Konsularbehörden übergeben. Sie sollen nach Abschluss der Einreiseformalitäten in ihre Heimat zurückkehren. Das verlassene Schiff bleibt weiterhin vor Anker und wird nun von den türkischen Küstenbehörden überwacht.