Erzurum – Nach einer Verletzung im Judo fand Ayşe Melek Okuyucu Yörenç im traditionellen türkischen Bogenschießen und im Reiterbogenschießen eine neue sportliche Heimat. Heute trainiert die Grundschullehrerin aus Erzurum die türkischen Jugend- und Erwachsenennationalmannschaften und führt ihre Schützlinge zu internationalen Erfolgen. Bei zwei europäischen Wettbewerben holte das türkische Team insgesamt drei Gold-, fünf Silber- und vier Bronzemedaillen.

Yörenç unterrichtet seit 25 Jahren an einer Grundschule in Erzurum. Ihre sportliche Laufbahn begann sie mit Judo, in dem sie rund 20 Jahre aktiv war und zehn Jahre lang als Nationalathletin antrat. Nach einer Verletzung während eines Trainingslagers musste sie die Sportart aufgeben. Dem Sport blieb sie jedoch treu und wandte sich dem traditionellen türkischen Bogenschießen sowie dem Reiterbogenschießen zu.
Seit rund zwölf Jahren betreibt sie diese Disziplinen. Sie gründete einen eigenen Reiterbogenschießclub und begann, Nachwuchssportler auszubilden. Aufgrund ihrer Erfolge bei nationalen und internationalen Wettkämpfen wurde sie vom türkischen Verband für traditionelle Reitsportarten zur Nationaltrainerin berufen.
Erfolgreiche Auftritte in Europa
Unter Yörençs Leitung erzielte die türkische Nationalmannschaft bei zwei europäischen Wettbewerben beachtliche Ergebnisse. Beim European Horseback Archery Grand Prix, der vom 9. bis 11. Oktober im Schweizer Visp stattfand, gewann das Team eine Gold-, vier Silber- und vier Bronzemedaillen. In der Mannschaftswertung belegte die Türkei den zweiten Platz.
Bei der Europameisterschaft im Reiterbogenschießen, die vom 24. bis 27. September in Barcelona ausgetragen wurde, kamen zwei weitere Goldmedaillen und eine Silbermedaille hinzu. In der Mannschaftswertung erreichte das türkische Team den vierten Platz.
Auch als Athletin blickt Yörenç auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Im Judo gewann sie zahlreiche Medaillen, Pokale und Meistertitel. Nach ihrer Verletzung fand sie im traditionellen türkischen Bogenschießen eine Sportart, die sie nach eigenen Angaben ihrer Kultur und ihren spirituellen Werten näherbrachte. Nach ihrer Genesung begann sie mit dem Reiterbogenschießen.
Sie wurde nach eigenen Angaben die erste türkische Meisterin im Reiterbogenschießen. Bei einem internationalen Frauenwettbewerb in Russland gewann sie zudem die Disziplin „Jagdparcours“.

Tradition an die nächste Generation weitergeben
Neben ihrer eigenen sportlichen Laufbahn widmet sich Yörenç der Ausbildung des Nachwuchses. Nach ihrer Tätigkeit als Trainerin der Kinder- und Jugendnationalmannschaften übernahm sie auch die Betreuung der jüngeren und erwachsenen Nationalkader. Ihre Schützlinge kommen aus verschiedenen Regionen der Türkei.
Bei Grand-Prix-Wettbewerben in Polen, Spanien und der Schweiz habe das Team bereits gute Ergebnisse erzielt, berichtete Yörenç. Auch künftig wolle die Mannschaft die türkische Flagge bei europäischen und internationalen Wettbewerben vertreten.
„Das Reiterbogenschießen hat in unserer Kultur, unserem spirituellen Leben und unserer Geschichte einen wichtigen Platz“, sagte die Trainerin. Wenn Kinder und Jugendliche mit dieser Tradition vertraut gemacht würden, entwickelten sie eine noch größere Begeisterung für die Sportart.
Das Reiterbogenschießen gewinne nicht nur in der Türkei, sondern weltweit an Bedeutung und entwickle sich zunehmend in Richtung einer olympischen Disziplin, erklärte Yörenç. Es sei wichtig, das traditionelle Erbe an die jungen Generationen weiterzugeben. In der Türkei werde die Sportart immer populärer und entwickle sich auch international kontinuierlich weiter.