Millionen Jahre alt: Sensationsfunde verändern das Bild der Frühgeschichte in der Türkei

21.01.2026 – 10:00 Uhr

Im Südosten der Türkei haben Archäologen neue Hinweise auf eine sehr frühe menschliche Besiedlung entdeckt. In der Provinz Gaziantep rekonstruieren Forscher seit rund drei Jahren die Wanderbewegungen und Lebensräume von Menschen aus dem Pleistozän, auch Eiszeit genannt.

Im Rahmen des Projekts legen die Wissenschaftler täglich Strecken von bis zu 25 Kilometern zurück. Dabei untersuchen sie Flussläufe, alte Sedimentschichten sowie bislang kaum erforschte Landschaftsbereiche auf Spuren früher menschlicher Aktivitäten. Die systematischen Geländebegehungen führten bereits zur Entdeckung zahlreicher zuvor nicht dokumentierter Fundstellen in offenem Terrain sowie in Höhlen und Felsunterkünften.

Nach Abschluss intensiver Untersuchungen in fünf zentralen Distrikten der Provinz seit dem Jahr 2023 soll die Suche nun auf weitere Gebiete ausgeweitet werden. Ziel ist es, ein möglichst vollständiges Bild der frühesten menschlichen Präsenz in der Region zu gewinnen.

Der an dem Projekt beteiligte Professor Dr. Ismail Baykara von der Universität Gaziantep betonte die besondere Bedeutung der Region für die Eiszeitforschung in der Türkei. Die neu gewonnenen Erkenntnisse aus dem Zeitraum zwischen etwa drei Millionen und 10.000 Jahren vor heute erweitern das bisherige Verständnis der prähistorischen Entwicklung Gazianteps erheblich.

Baykara schätzt, dass die Region nicht nur ein Durchgangsgebiet für frühe Menschengruppen war, sondern über längere Zeiträume hinweg auch ein Lebensraum. Während des Pleistozäns hätten dort günstige Umweltbedingungen geherrscht, darunter Zugang zu Wasser, geeignete Rohstoffe und stabile ökologische Verhältnisse.

Auswertungen gefundener Steinwerkzeuge deuten darauf hin, dass sich Menschen möglicherweise bereits vor fast einer Million Jahren in dem Gebiet aufhielten. Einige der neu identifizierten Höhlen könnten sogar dazu beitragen, die zeitliche Einordnung der Eiszeit in Anatolien grundlegend zu überarbeiten.

Die Funde gelten zudem als wichtiger Baustein für das Verständnis menschlicher Aktivitäten in der Zeit vor dem Übergang zur neolithischen Epoche.