Die türkische Regierung könnte berufstätigen Müttern künftig mehr Flexibilität nach der Geburt eines Kindes ermöglichen. Ein neuer Vorschlag sieht vor, dass Frauen nach dem Ende ihrer sechsmonatigen Mutterschutzzeit weitere sechs Monate unter flexiblen Arbeitsbedingungen beschäftigt werden können.
Der Vorschlag ist Teil eines Berichts der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), der im Anschluss an einen Familien-Workshop mit 142 Wissenschaftlern erarbeitet wurde. Das Dokument wurde nach Angaben der Partei dem Präsidialamt sowie dem Ministerium für Familie und Soziale Dienste übergeben.
Der stellvertretende MHP-Vorsitzende Ahmet Selim Yurdakul erklärte, das Modell solle Frauen dabei unterstützen, Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren. Hintergrund seien die sinkenden Geburtenraten und die zunehmende Alterung der Bevölkerung in der Türkei.
„Wir schlagen vor, dass nach Ablauf der verpflichtenden sechsmonatigen Mutterschutzzeit für weitere sechs Monate flexible Arbeitsmodelle eingeführt werden“, sagte Yurdakul. Dadurch solle es Müttern erleichtert werden, nach der Geburt im Berufsleben zu bleiben und gleichzeitig ihre kleinen Kinder zu betreuen.
Der Vorstoß knüpft an eine erst im Mai beschlossene Ausweitung des Mutterschutzes an. Mit einer von Präsident Recep Tayyip Erdoğan unterzeichneten Regelung wurde der Mutterschutz für Beschäftigte im öffentlichen und privaten Sektor auf insgesamt 24 Wochen verlängert. Diese setzen sich aus acht Wochen vor der Geburt und 16 Wochen nach der Entbindung zusammen.
Die nun vorgeschlagene Phase flexibler Arbeitszeiten würde unmittelbar an diese 24-wöchige Mutterschutzzeit anschließen. Ob und wann die Regelung umgesetzt wird, ist bislang noch offen.