Exklusive Strandclubs mit strengen Einlassregeln und Kleidervorschriften sorgen in der Türkei immer wieder für Diskussionen. Nach Ansicht des Psychiaters Doç. Dr. Ali Erdoğan von der Akdeniz-Universität in Antalya kann der Wunsch, Zugang zu besonders angesagten Orten zu erhalten, langfristig die psychische Gesundheit beeinträchtigen.
Erdoğan erklärt das Phänomen mit dem sogenannten „Knappheitseffekt“ aus der Psychologie. Je schwerer ein Ort zugänglich sei, desto wertvoller erscheine er vielen Menschen. Dadurch würden exklusive Strandclubs und ähnliche Einrichtungen für manche zu einem Statussymbol.
„Viele Menschen betrachten den Zugang zu bestimmten Orten als Zeichen von Erfolg und Prestige. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Orte tatsächlich wertvoller sind – vielmehr entsteht dieser Eindruck in unserem Kopf“, sagte Erdoğan.
Nach seiner Einschätzung kann diese Haltung zu Enttäuschung und psychischer Belastung führen. Wer seinen Selbstwert davon abhängig mache, Zugang zu exklusiven Orten zu erhalten, könne sich ausgeschlossen fühlen oder feststellen, dass der erwartete Prestigegewinn ausbleibt.
Auch soziale Medien verstärkten diesen Druck. Statt den Urlaub bewusst zu genießen, konzentrierten sich viele Menschen darauf, Fotos und Erlebnisse zu veröffentlichen, um einen bestimmten Eindruck zu vermitteln. Erdoğan bezeichnet dieses Verhalten als „Impression Management“ – den bewussten oder unbewussten Versuch, die Wahrnehmung anderer zu beeinflussen.
„Viele verbringen ihren Urlaub damit, ständig Inhalte zu posten, anstatt den Moment zu genießen. Am Ende kehren sie nicht erholt zurück, sondern gestresst und unzufrieden“, erklärte der Psychiater.
Er empfiehlt, den Fokus wieder stärker auf das eigentliche Urlaubserlebnis zu richten. Wer am Meer, mit der Familie oder Freunden Zeit verbringe, solle diesen Moment bewusst erleben, anstatt ihn ausschließlich für soziale Medien festzuhalten.
„Wir sollten nicht darum konkurrieren, Zugang zu einem bestimmten Ort zu erhalten. Wir sollten darum wetteifern, Glück, Ruhe und Zufriedenheit zu finden“, so Erdoğan. Sollten Betroffene feststellen, dass sie ihren Drang nach Anerkennung oder ständiger Selbstdarstellung nicht kontrollieren können und ihren Urlaub dadurch nicht mehr genießen, könne professionelle psychologische oder psychiatrische Unterstützung sinnvoll sein.