Künstlerin Canan Tolon erhält Vehbi-Koç-Preis zum 100-jährigen Jubiläum der Koç-Gruppe

26.04.2026 – 18:00 Uhr

Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens hat der türkische Mischkonzern Koç Holding einen bemerkenswerten Akzent gesetzt: Anstatt sich selbst zu bespiegeln, rückte die Verleihung des renommierten Vehbi-Koç-Preises an die Künstlerin Canan Tolon die leise, aber eindringliche Kraft der Kunst in den Mittelpunkt.

Die Auszeichnung, die jährlich abwechselnd in den Bereichen Bildung, Kultur und Gesundheit an Persönlichkeiten vergeben wird, die zur Entwicklung der Türkei beitragen, ist zwar undotiert, gilt jedoch als eine der wichtigsten privaten Kulturauszeichnungen des Landes. Die 25. Zeremonie erhielt durch die Koinzidenz mit dem Konzernjubiläum ein besonderes Gewicht, wie Ömer Koç, der Vorstandsvorsitzende der Koç Holding, betonte.

Tolon setzte sich gegen zwei weitere Nominierte durch, die nicht namentlich genannt wurden. Die Findungskommission, bestehend aus den Expertinnen und Experten Zeynep Çelik, Ayla Ödekan, Kerem Kabadayı, Murathan Mungan und Sadık Karamustafa, würdigte damit ein Werk, das sich jenseits didaktischer Belehrung bewegt. Tolons Schaffen kreist um existenzielle Konstanten menschlicher Erfahrung wie Transformation und Erinnerung, aber auch um gesellschaftliche Bruchlinien wie Migration, Zerstörung und das Vergehen von Zeit.

„Die wertvollste Eigenschaft der Kunst ist ihre Fähigkeit, das Vertraute zu hinterfragen und Veränderung anzustoßen. Deshalb betrachten wir die Förderung von Kultur und Kunst nicht als Option, sondern als Pflicht gegenüber unseren Mitmenschen und unserer Republik“, sagte Ömer Koç in seiner Ansprache.

Tolon selbst nutzte die Bühne, um einen ungewöhnlich intimen Einblick in die Bedingungen künstlerischen Schaffens zu geben. „Künstlerisches Schaffen ist ein sehr einsamer Prozess, der jedoch mit einer Menschenmenge im Kopf geformt wird: jene, die einem nahestehen, jene, die man noch nicht getroffen hat oder nie treffen wird.“ Man stellt sich vor, einen Dialog mit ihnen aufzubauen. Das Vorstellungsvermögen ist eine Form von Macht“, sagte die Preisträgerin.

Abseits der Preisverleihung inszenierte der Konzern seine eigene Geschichte mit filmischem Pathos. Die Produktion Unsere 100, live begleitet von dem Schauspieler Halit Ergenç, der Musikerin Alança Oskay und einem Orchester, zeichnete den Werdegang des Imperiums vom Gründungstextilhandel zum globalen Player nach und formulierte den Ausblick auf das zweite Jahrhundert.