Korallen-Rettung vor Istanbul: Türkisches Erfolgsmodell soll bei COP31 in Antalya für Aufsehen sorgen

19.08.2026 – 8:00 Uhr

Istanbul/Antalya. Elf Jahre Schutzarbeit unter Wasser sollen zum internationalen Vorzeigeprojekt werden: Das türkische Korallen-Restaurierungsprogramm rund um die unbewohnte Tavşan-Insel im Marmarameer wird beim UN-Klimagipfel COP31 in Antalya präsentiert.

Vor der Küste Istanbuls haben Naturschützer seit 2015 mehr als 700 Gorgonien-Kolonien restauriert. Bei den gelben Gorgonien liegt die Überlebensrate laut den Projektverantwortlichen inzwischen bei rund 80 Prozent. Seit Januar 2026 läuft zudem ein neues Programm zur Stärkung der Bestände der violetten Koralle Paramuricea clavata – nach Angaben der Initiatoren ein Novum in der Türkei.

Abgeschottete Insel wird zum Korallen-Labor

Die unbewohnte Tavşan-Insel, auch Neandros genannt, gehört zu den Prinzeninseln und steht als archäologische Stätte unter besonderem Schutz. Unbefugtes Betreten ist verboten. Genau diese Abgeschiedenheit macht das Gebiet für Forscher interessant: Der menschliche Einfluss ist vergleichsweise gering.

Bei den Untersuchungen wurden inzwischen sogar junge Korallen entdeckt, die sich natürlich vermehren. Das Projekt überwacht neben den Korallen auch Fischbestände, Kraken und Seegraswiesen.

Doch nicht nur Korallen mussten gerettet werden. Die Teams entfernten rund 650.000 Quadratmeter sogenannte Geisternetze vom Meeresboden sowie etwa drei Tonnen Blei. Ein Teil der geborgenen Netze wurde anschließend recycelt und etwa zu Abdeckungen für die Landwirtschaft und Taschen verarbeitet.

„Wenn der Druck des Menschen verschwindet“

Istanbuls Gouverneur Davut Gül zeigte sich bei einem Besuch des Schutzgebiets überzeugt, dass sich die Natur unter den richtigen Bedingungen selbst regenerieren kann.

Auch die türkische Zero-Waste-Stiftung sieht in dem Projekt ein Beispiel dafür, wie Naturschutz, Wiederherstellung und langfristige Überwachung miteinander verbunden werden können.

Bei COP31 in Antalya soll das Projekt nun als Modell für die türkischen Naturschutzziele präsentiert werden. Volkan Narcı von der Marine Life Conservation Society bezeichnete das elfjährige Restaurierungsgebiet als Pilotregion für den Klimagipfel.

Die Botschaft an die internationale Gemeinschaft soll dabei klar sein: Naturschutz soll in der Türkei nicht nur auf dem Papier stehen – sondern direkt unter Wasser sichtbar werden.

Die nächste Phase des Projekts soll gemeinsam mit den Behörden vor Üç Adalar, Tekirova und Çıralı an der türkischen Mittelmeerküste umgesetzt werden. Dort sollen wichtige Lebensräume kartiert und die marinen Ökosysteme systematisch erfasst werden.

Der UN-Klimagipfel COP31 findet vom 9. bis 20. November in Antalya statt.