Konzerttickets zu teuer: Kultur wird für Istanbuler zum Luxus

30.08.2026 – 12:00 Uhr

Istanbul – Die Freizeit- und Unterhaltungsgewohnheiten der Einwohner Istanbuls verändern sich. Einer Untersuchung der Istanbul Planungsagentur (İPA) zufolge haben 45,8 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr an keiner Kultur- oder Kunstveranstaltung teilgenommen. Als größtes Hindernis nannten 45 Prozent die hohen Ticket- und Eintrittspreise. Gleichzeitig nimmt digitale Unterhaltung einen immer größeren Teil der Freizeit ein.

Die Ergebnisse stammen aus der Juli-Ausgabe des monatlichen Datenberichts Istanbul Barometer der İPA, die der Stadtverwaltung Istanbul untersteht. Für die thematische Untersuchung „Kultur- und Unterhaltungsgewohnheiten in Istanbul“ wurden 758 Menschen befragt. Untersucht wurden unter anderem die Teilnahme am kulturellen Leben, Hindernisse für den Besuch von Veranstaltungen sowie die Nutzung digitaler Unterhaltungsangebote.

Konzerte sind am beliebtesten

45,8 Prozent der Teilnehmer gaben an, im vergangenen Jahr keine Kultur- oder Kunstveranstaltung besucht zu haben.

Unter denjenigen, die Veranstaltungen besuchten, waren Konzerte mit 33,9 Prozent die beliebteste Wahl. Es folgten Theater- und Stand-up-Veranstaltungen mit 21,8 Prozent sowie Besuche von Kunstgalerien und Museen mit 21,2 Prozent.

Buchmessen und Treffen mit Autoren kamen auf 16,2 Prozent. Straßen- und Open-Air-Festivals wurden von 16,1 Prozent besucht, während 11,9 Prozent an einem Filmfestival teilnahmen.

Deutlich geringer war das Interesse an Design-, Foto- und Modeveranstaltungen mit 6,2 Prozent, Tanzaufführungen mit 5,9 Prozent sowie Oper, Ballett und klassischer Musik mit 5,7 Prozent.

Hohe Preise sind größtes Hindernis

Als wichtigsten Grund dafür, Kultur- und Kunstveranstaltungen nicht zu besuchen, nannten 45 Prozent die hohen Ticket- und Eintrittspreise. An zweiter Stelle stand mit 38,1 Prozent ein Mangel an Zeit aufgrund von Arbeit oder Schule.

Auch die wirtschaftliche Situation beeinflusst das Freizeitverhalten der Istanbuler. 41,4 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Lage ihre Ausgaben für Restaurants, Cafés und ähnliche soziale Orte eingeschränkt zu haben.

37,6 Prozent sparten beim Kauf von Konzert- oder Theatertickets, 37,2 Prozent bei Kinokarten. Bei Museumsbesuchen lag der Anteil bei 26 Prozent. Weniger Geld für Bücher, Zeitschriften und digitale Inhalte gaben 25,9 Prozent aus, während 25,2 Prozent ihre Ausgaben für Streaming- und andere Plattform-Abonnements reduzierten.

39,8 Prozent erklärten dagegen, bei keinem der abgefragten Ausgabenposten gespart zu haben.

Digitale Angebote werden attraktiver

Die Untersuchung zeigt zugleich, wie stark digitale Angebote die Freizeitgestaltung prägen. 56,9 Prozent der Befragten bevorzugen weiterhin die Teilnahme an Veranstaltungen vor Ort. 28,5 Prozent gaben dagegen an, soziale Medien und digitale Inhalte kulturellen Erlebnissen vor Ort vorzuziehen.

Als wichtigsten Grund nannten 34,3 Prozent, dass digitale Inhalte bei begrenzter Zeit wesentlich praktischer seien. Für 29,6 Prozent sind digitale Angebote leichter zugänglich und günstiger.

18,1 Prozent verwiesen darauf, dass sich auch ihr soziales Umfeld zunehmend digitalen Angeboten zuwendet. Für 12,5 Prozent ist es schwieriger oder anstrengender, Veranstaltungsorte physisch zu erreichen.

Mehr als drei Stunden digitale Unterhaltung pro Tag

Besonders deutlich wird die Bedeutung digitaler Angebote beim Blick auf die tägliche Nutzungsdauer. Die Befragten verbringen durchschnittlich 3 Stunden und 8 Minuten pro Tag mit digitalen Unterhaltungsinhalten.

Die durchschnittliche tägliche Freizeit – ohne Arbeitszeit, Schlafen, Essen und Kinderbetreuung – wurde gleichzeitig mit 3 Stunden und 44 Minuten angegeben.

Damit liegen beide Werte erstaunlich nah beieinander. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein großer Teil der verfügbaren Freizeit der Istanbuler inzwischen für den Konsum digitaler Unterhaltungsangebote genutzt wird.