Klimawarnung für die Türkei: „Super El Niño“ könnte Rekordhitze bis in den Herbst bringen

20.04.2026 – 11:00 Uhr

Die Türkei könnte nach Einschätzung von Klimaforschern in den kommenden Monaten eine außergewöhnliche Hitzewelle erleben. Laut Levent Kurnaz, Direktor des Zentrums für Klimawandel- und Politikforschung an der Boğaziçi-Universität, drohen ab Ende Juli und bis in den Herbst hinein möglicherweise Rekordtemperaturen durch ein sich verstärkendes El-Niño-Phänomen.

Kurnaz warnte, dass die ersten Sommerwochen voraussichtlich noch im Bereich der drei heißesten je gemessenen Jahre liegen werden. Danach sei jedoch mit einem deutlichen Temperaturanstieg zu rechnen. „Bis etwa Ende Juli erwarten wir Werte innerhalb der drei wärmsten Jahre. Danach werden wir rekordverdächtige Hitze sehen“, sagte er. Spätestens ab Ende Juli könnte sich 2026 demnach als das bislang heißeste Jahr entwickeln.

Auch globale Messdaten des EU-Klimadienstes Copernicus bestätigen den anhaltenden Erwärmungstrend. Die weltweiten Durchschnittstemperaturen lagen zuletzt dauerhaft über dem langjährigen Mittel. So gehörten sowohl der Winter als auch die ersten Monate des Jahres 2026 weltweit zu den wärmsten je aufgezeichneten Perioden.

Für die Türkei zeigte sich der vergangene Winter laut Kurnaz ungewöhnlich trocken und mild. Auch die Schneefälle in Istanbul seien deutlich unter dem Durchschnitt geblieben – ein Muster, das sich bereits seit rund 15 Jahren verstärke. Zwar habe es im März regional wieder mehr Niederschläge gegeben, doch viele Wasserreservoirs seien weiterhin nicht ausreichend gefüllt.

Besondere Sorge bereitet den Experten die mögliche Entwicklung eines sogenannten „Super El Niño“. Dieses Klimaphänomen könnte die ohnehin steigenden Temperaturen zusätzlich verstärken. „Die Frage ist nicht mehr, ob El Niño kommt, sondern ob er sich zu einem Super El Niño entwickelt“, so Kurnaz. In diesem Fall könnten die Temperaturen insbesondere im September und Oktober deutlich über dem Normalwert liegen.

Die Prognosen deuten damit auf eine mögliche Verlängerung der Hitzeperiode weit über den Sommer hinaus hin – mit potenziell weitreichenden Folgen für Wasserressourcen, Landwirtschaft und den Alltag im ganzen Land.