Keine Panik in Istanbul: Türkischer Experte widerspricht Prophezeiungen eines Mega-Erdbebens

Bilder: DHA
05.04.2026 – 8:00 Uhr

(DHA) Der türkische Geowissenschaftler Prof. Dr. Şener Üşümezsoy hat Befürchtungen über ein mögliches Mega-Erdbeben in Istanbul deutlich zurückgewiesen. Bei einem Besuch in İznik erklärte er, dass ein Beben der Stärke 8 in der Marmara-Region aus geologischen Gründen nicht realistisch sei.

„Drei Mal Marmara nötig“

Üşümezsoy betonte, dass für ein Erdbeben dieser Stärke eine Bruchlänge von etwa 500 Kilometern erforderlich sei. „Die Marmara hat aber nur rund 150 Kilometer Länge – man bräuchte also drei Marmara-Regionen“, sagte er. Als Vergleich verwies er auf die Erdbeben in der Türkei und Syrien 2023, bei denen rund 400 Kilometer Verwerfung brachen und Erdbebenstärken um 7 bis 8 erreicht wurden.

Kritik an gängigen Prognosen

Der Wissenschaftler übte scharfe Kritik an verbreiteten Szenarien, die von einem 8,0-Beben in Istanbul ausgehen. Diese basierten seiner Meinung nach auf vereinfachten Karten und theoretischen Annahmen statt auf realen geologischen Beobachtungen. „Entscheidend ist, was die Natur zeigt – nicht, was auf dem Papier steht“, so Üşümezsoy.

Er verwies zudem darauf, dass frühere Vorhersagen oft nicht eingetroffen seien. So habe er bereits vor dem Düzce-Erdbeben 1999 auf Risiken in der Region hingewiesen. Auch ein Beben nahe Silivri im April 2025 habe seine Einschätzungen bestätigt.

Warnung vor Fehleinschätzungen in anderen Regionen

Auch zu aktuellen Diskussionen über mögliche Erdbebenrisiken in Sındırgı äußerte sich Üşümezsoy. Er kritisierte, dass viele Experten wichtige lokale Bruchlinien übersehen hätten und stattdessen mit „linealgezogenen“ Modellen arbeiteten.

Entwarnung für İznik und Gemlik

Besonders deutlich widersprach er Warnungen vor einem schweren Erdbeben in der Region um den İznik-See. Anders als behauptet gebe es dort keine seitlich verlaufende aktive Störungszone wie beim schweren Erdbeben von İzmit 1999.

Auch für Gemlik sieht der Experte keine akute Gefahr eines großen Bebens. Die dort registrierten Erschütterungen seien sogenannte Mikro-Beben, ausgelöst durch kleinere Bruchlinien und geothermale Aktivitäten. „Solche Beben führen nicht zu großen Katastrophen“, erklärte er.

Üşümezsoy warnte abschließend vor Panikmache: Viele der kursierenden Szenarien seien eher Spekulation als wissenschaftlich fundierte Prognosen.