OTTAWA – Kanada hat offiziell zum ersten Mal kulturelle Artefakte an die Türkei zurückgegeben, nachdem ein Urteil des kanadischen Bundesgerichts ergangen ist, das als Meilenstein im internationalen Kulturerbrecht gefeiert wird.
Der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Mehmet Nuri Ersoy, kündigte die Rückgabe über die sozialen Medien an und bezeichnete sie als „historisch und richtungsweisend“. Insgesamt wurden 11 Objekte – darunter sieben Manuskriptseiten, zwei seltene Druckseiten und zwei moderne Kalligrafiewerke – formell an die türkischen Behörden in der kanadischen Hauptstadt Ottawa übergeben.
Die Artefakte, die zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert datiert sind, wurden am 30. März in einer offiziellen Zeremonie im Canadian Conservation Institute in Ottawa übergeben. Vertreter des türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus nahmen die Objekte von kanadischen Beamten entgegen, was einen rechtlichen und diplomatischen Prozess abschloss, der mehr als ein Jahr gedauert hatte.
„Diese Rückgabe markiert einen historischen Moment. Wir holen das uns anvertraute Erbe unserer Vergangenheit zurück und bringen es an den Ort, an dem es hingehört“, sagte Ersoy. Er betonte, dass das Urteil einen starken Präzedenzfall im globalen Kampf gegen den illegalen Handel mit Kulturgut setze und fügte hinzu, dass die Türkei weiterhin bestrebt sei, Artefakte, die unrechtmäßig aus ihrem Land entfernt wurden, zu finden und zurückzuholen.
Der rechtliche Prozess begann im Januar 2024, als die Artefakte von der kanadischen Zollbehörde (Canada Border Services Agency) abgefangen wurden, als sie von Istanbul nach Vancouver transportiert wurden. Nach der Beschlagnahme wurde der Fall an das kanadische Ministerium für kanadisches Kulturerbe weitergeleitet, was zu offiziellen Kontaktaufnahmen mit den türkischen Behörden und einer detaillierten rechtlichen und wissenschaftlichen Überprüfung führte.
Nach umfangreicher Dokumentation, Expertenanalysen und rechtlichen Einreichungen der Türkei entschied das kanadische Bundesgericht am 11. September 2025, dass die Objekte unter die türkische Gesetzgebung zum Schutz von Kulturgütern fallen und zurückgegeben werden müssen. Diese Entscheidung gilt als wegweisend und könnte zukünftige Rückgabeansprüche zwischen Ländern beeinflussen.
Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die zurückgegebenen Objekte aus losgelösten Seiten verschiedener Manuskripte bestehen, ebenso wie aus seltenen Druckmaterialien und späteren kalligraphischen Arbeiten. Die Texte, die in Arabisch und Osmanisch-Türkisch verfasst wurden, behandeln Themen wie islamische Rechtswissenschaft, Sufismus, Geschichte und Literatur und bieten wertvolle Einblicke in das intellektuelle und kulturelle Leben ihrer Zeit.
Experten stellten außerdem fest, dass einige Manuskriptseiten aus ihren ursprünglichen Bindungen entfernt worden waren, während andere mit modernen Miniaturillustrationen versehen wurden. Diese Eingriffe wurden als Versuche gewertet, den kommerziellen Wert der Objekte zu steigern, ohne ihren Status als geschütztes Kulturgut zu verändern.
Offizielle betonten, dass der Fall ein konkretes Beispiel für die internationale Zusammenarbeit im Rahmen von Vereinbarungen wie der UNESCO-Konvention von 1970 ist, die darauf abzielt, den illegalen Import, Export und Besitzübergang von Kulturgütern zu verhindern. Das erfolgreiche Ergebnis unterstreicht die Bedeutung einer koordinierten rechtlichen Aktion, wissenschaftlicher Expertise und diplomatischer Zusammenarbeit zum Schutz des Kulturerbes.
An dem Rückgabeprozess waren mehrere türkische Institutionen beteiligt, darunter das Ministerium für Kultur und Tourismus, die Generaldirektion für Kulturerbe und Museen, die Präsidentschaft der Manuskripteinstitution der Türkei sowie das Museum für Türkische und Islamische Kunst. Auch die türkische diplomatische Mission in Kanada spielte eine wesentliche Rolle.
Mit dieser ersten offiziellen Rückgabe aus Kanada wird der Fall als Zeichen eines zunehmenden globalen Bewusstseins und einer verstärkten Kooperation im Bereich des Kulturerbeschutzes gewertet. Gleichzeitig sendet er eine klare Botschaft, dass illegal gehandelte Artefakte letztlich an ihr Herkunftsland zurückgegeben werden.