Istanbuler Schüler entwickeln Gletscher-Messgerät für Antarktis-Forschung

09.08.2026 – 18:00 Uhr

Ein ungewöhnliches Gerät soll künftig das Innenleben schmelzender Gletscher überwachen. Drei Schüler aus Istanbul haben einen speziellen Datenschreiber entwickelt, der wie eine Blackbox im Eis versenkt wird. Damit hat sich das Team für einen Testlauf an der türkischen Forschungsstation in der Antarktis qualifiziert.

Die Zehnt- und Elftklässler Yusuf Mert Dalgıç, Abdullah Nazım Karanfil und Emrullah Gürpınar vom Üsküdar ARGEM-Gymnasium gewannen den jährlichen Wettbewerb für Polarforschungsprojekte des türkischen Wissenschafts- und Technologierats TÜBİTAK. Der Wettbewerb ermöglicht es Schülern, eigene Forschungsarbeiten in der Arktis oder Antarktis durchzuführen. In diesem Jahr gehört das Trio zu den vier Gewinnerteams. Voraussetzung für die Reise ins ewige Eis ist das Bestehen einer finalen Gesprächsrunde, die für Oktober erwartet wird.

Zweieinhalb Jahre Entwicklung für den Blick ins Eis

Rund zweieinhalb Jahre Arbeit stecken in dem kompakten Gerät. Es ist dafür konzipiert, im Inneren von Gletschern platziert zu werden und dort regionale Daten zu sammeln. Ähnlich wie ein Flugdatenschreiber speichert es alle Informationen lokal. Dadurch soll es auch dann noch Aufschluss über Zerstörungsprozesse geben, wenn die Übertragung zur Basisstation abbricht.

„In der Antarktisforschung kommen meist unbemannte Luftfahrzeuge zum Einsatz“, erklärt der Schüler Yusuf Mert Dalgıç. „Diese Fahrzeuge verursachen hohe Kosten und können Zuverlässigkeitsprobleme mit sich bringen.“ Die selbstentwickelte Blackbox könne hingegen Risse, Brüche und Abschmelzprozesse weitaus detaillierter erfassen. Sein Teamkollege Karanfil ergänzt, dass das System mit sehr geringem Energieverbrauch auskomme.

Türkei forciert polare Ambitionen

Die Türkei hat ihre Polaraktivitäten im vergangenen Jahrzehnt deutlich ausgebaut und entsendet jährlich nationale Wissenschaftsexpeditionen in die Antarktis. Auf Horseshoe Island betreiben Forscher ein temporäres Camp, in dem sie den Klimawandel, die Meeresbiologie und die polaren Ökosysteme untersuchen. Langfristig plant die Regierung die Errichtung einer permanenten Station. Ziel ist die Aufwertung des Beraterstatus im Antarktis-Vertragssystem, um eine dauerhafte Beteiligung an der globalen Umweltforschung sicherzustellen. Junge Wissenschaftler aus dem eigenen Land könnten davon künftig direkt profitieren.