Nach fast einem Jahrhundert der Irrwege ist ein marmorner Zeuge der Spätantike in seine Heimat zurückgekehrt. Der männliche Porträtkopf aus dem 5. Jahrhundert nach Christus war einst in der Agora von Smyrna (dem heutigen Izmir) ausgegraben und später illegal außer Landes gebracht worden. Nun wurde er von den Vereinigten Staaten an die Türkei restituiert.
Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy gab die erfolgreiche Rückführung des Artefakts aus dem Bestand des Denver Art Museum am Mittwoch über die sozialen Medien bekannt. Das Objekt, das derzeit im Archäologischen Museum von Izmir in seinem ursprünglichen Kontext ausgestellt wird, war über Jahrzehnte hinweg Gegenstand einer verschlungenen Provenienzgeschichte.

Laut Ministerium gelangte der 25 Zentimeter hohe Marmorkopf 1989 als Schenkung aus dem Nachlass von Marie Thérèse Macy in die Sammlung des Museums in Denver. Marie Thérèse Macy war die Ehefrau von Clarence Edward Macy, der zwischen 1946 und 1948 als US-Generalkonsul in Istanbul diente. Nachforschungen türkischer Experten belegten jedoch zweifelsfrei, dass der Kopf ursprünglich aus weitaus älteren Fundzusammenhängen stammt.
Ein 1934 in der „Türk Tarih, Arkeologya ve Etnografya Dergisi” veröffentlichter Grabungsbericht lieferte den entscheidenden Beweis: Demnach wurde der Porträtkopf bei den frühen Ausgrabungen in der Agora von Smyrna entdeckt und verließ das Land anschließend auf illegalem Wege. Nach der wissenschaftlichen Bestätigung der Herkunft durch das Ministerium für Kultur und Tourismus sowie die Generaldirektion für Kulturerbe und Museen nahm die türkische Seite offiziellen Kontakt zum Museum auf.
Minister Ersoy würdigte die konstruktive Haltung des Museums in Denver. „Dank der Zusammenarbeit und des konstruktiven Dialogs mit dem Denver Art Museum haben wir unser Werk nach Hause geholt”, erklärte Ersoy. Der Kopf sei den Analysen zufolge der Theodosianischen Epoche zuzuordnen und stamme aus einer Werkstatt, die im Großraum Ephesos-Smyrna tätig war.
Die kunsthistorische Analyse beschreibt das Porträt eines Mannes mit kurzem Bart, dessen Augen durch Bohrungen markant hervorgehoben wurden. Auffällig sind die starken, expressiven Gesichtszüge sowie die Tatsache, dass der Blick des Dargestellten direkt auf den Betrachter gerichtet ist. Der Halsbereich des Stücks ist abgebrochen.
Die Übergabe des Artefakts an die Türkei erfolgte in Abstimmung mit dem Außenministerium. Durch die Platzierung im Museum von Izmir schließt sich für den antiken Smyrnäer ein Kreis, der in den Wirren des 20. Jahrhunderts geöffnet wurde.