In der ersten Augustwoche steht der Türkei eine intensive Hitzewelle bevor. Laut Prognosen der Meteorologen werden die Temperaturen landesweit deutlich über den saisonalen Mittelwert steigen und in einigen Regionen extreme Werte erreichen.
Besonders betroffen sind die südöstlichen Provinzen. Dort werden Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad Celsius erwartet. In Istanbul und anderen Küstenabschnitten der Marmararegion wird dagegen drückende Schwüle zur Belastung. Eine hohe Luftfeuchtigkeit lässt die gefühlten Temperaturen dort massiv in die Höhe schnellen.
Der Klimawissenschaftler und Meteorologie-Ingenieur Hüseyin Toros von der Technischen Universität Istanbul ordnet die bevorstehenden Tage meteorologisch ein. Der im Volksmund für die heißesten Tage des Sommers gebräuchliche Begriff „Eyyam-ı Bahur“ sei kein festes physikalisches Phänomen mit starren Daten. Zwar wird diese Periode häufig mit der Zeit zwischen Ende Juli und Anfang August in Verbindung gebracht, doch ihre Intensität und ihr Zeitpunkt variieren jährlich.
Aktuelle Wettermodelle zeigen, dass die Temperaturen ab der Wochenmitte in weiten Landesteilen über die Normwerte klettern werden. Als Ursache der Hitze macht Toros heiße Luftmassen aus, die von der Arabischen Halbinsel im Osten und aus Nordafrika im Westen herangeführt werden.
Während im Südosten die extreme Lufttemperatur das Hauptproblem darstellt, warnt der Experte für die Metropole Istanbul vor einer besonderen Hitzebelastung durch hohe Luftfeuchtigkeit.
Toros verweist auf einen langfristigen Erwärmungstrend in der Türkei. Laut Daten des staatlichen Wetterdienstes stieg die jährliche Durchschnittstemperatur im Zeitraum von 1970 bis 1980 von 12,7 Grad auf 14,4 Grad in den Jahren 2014 bis 2025. Mit einem Schnitt von 15,3 Grad war 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, 1992 mit 11,4 Grad das kälteste.
Der Wissenschaftler warnt, dass die Türkei zunehmend den Risiken durch steigende Temperaturen und häufigere Extremwetterereignisse ausgesetzt ist. Künftige Hitzewellen werden seiner Einschätzung nach nicht nur öfter auftreten, sondern auch länger andauern und heftiger ausfallen. Dies stellt eine Herausforderung für die öffentliche Gesundheit, die Wasserressourcen, die Landwirtschaft, die städtische Infrastruktur und die Energiesysteme dar.
In Städten wird die Belastung durch den sogenannten Wärmeinseleffekt verstärkt. Beton und Asphalt speichern tagsüber Hitze und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Dadurch heizen sich urbane Zentren im Vergleich zum ländlichen Umfeld deutlich stärker auf. Toros plädiert deshalb für eine Ausweitung von Grünflächen, mehr Verschattung und eine Stadtplanung, die der Hitzeansammlung entgegenwirkt.
Angesichts der bevorstehenden Extreme raten Fachleute der Bevölkerung dringend, längere Aufenthalte im Freien zwischen 11 und 16 Uhr zu meiden, ausreichend zu trinken, leichte und atmungsaktive Kleidung zu tragen sowie körperliche Aktivitäten in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen.