Hitzewelle in der Türkei: Temperaturen bis 44 Grad – doch wie lange noch?

02.07.2026 – 17:00 Uhr

Eine extreme Hitzewelle hat weite Teile der Türkei fest im Griff und treibt die Menschen massenhaft an die Küste und in die Parks. Während die gefühlten Temperaturen in Istanbul am 1. Juli den Jahreshöchststand von 40 Grad erreichten, ächzen die südöstlichen Provinzen unter einer kaum erträglichen Glut. Für das kommende Wochenende kündigt sich jedoch bereits der nächste drastische Wetterwechsel mit teils kräftigen Gewittern an.

Nachdem die Gouverneursverwaltung Istanbuls den Dienstag zum „heißesten Tag des Jahres” erklärt hatte, suchten Einheimische und Touristen gleichermaßen Abkühlung. An den Uferpromenaden im europäischen Teil der Metropole, etwa in Bebek und Büyükçekmece, sowie auf der asiatischen Seite in Üsküdar und Salacak drängten sich die Menschen dicht an dicht. Viele stürzten sich in die kühlen Fluten des Bosporus, andere suchten mit Picknickdecken Schutz unter den schattigen Bäumen der Grünanlagen. In den historischen Vierteln um Eminönü versuchten Passanten, sich mit Schirmen und Hüten notdürftig vor der sengenden Sonne zu schützen.

„Europa mag ja bei 45 bis 50 Grad brutzeln, aber auch hier ist die Sonne gewaltig. Das Gedränge ist enorm, nur das Meer ist leider nicht sauber“, beschrieb Anwohner Burhan Benli die Situation an einem Istanbuler Strandabschnitt.

Während die Bosporus-Metropole unter einer Schwüle aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit ächzt, zeigt das Thermometer im Landesinneren teils noch weit extremere Werte an. In der südostanatolischen Provinz Şanlıurfa wurden am Dienstag unerträgliche 44 Grad gemessen. „Wir dachten, wir sind aus Adana einiges gewöhnt, aber Şanlıurfa verbrennt einen regelrecht. Adana ist schwül, aber hier sticht die Hitze wie Nadeln“, berichtete der Besucher Erkan Temiz. In Diyarbakır und Kilis, wo die Temperaturen auf bis zu 36 Grad kletterten, trotzten Kinder und Jugendliche dem Hitzeverbot und sprangen in das historische, aber gefährliche Anzele-Becken, um sich eine kurze Erfrischung zu verschaffen.

Die Bewohner der ohnehin als „heißeste Stadt“ geltenden Millionenstadt Adana schildern ihre Lage als besonders dramatisch. Obwohl die offiziellen Messstationen 36 Grad anzeigten, lag das gefühlte Thermometer aufgrund der enormen Luftfeuchtigkeit weit darüber. Der Einwohner Fırat Güzel brachte die Verzweiflung auf den Punkt: „Gott segne den Erfinder der Klimaanlage! Ohne sie könnten wir nachts nicht schlafen. Hier gart selbst ein Ei oder der Tee in der Sonne.“ Sein Mitbürger Ulaş Cirit fand noch drastischere Worte: „Das hier ist die Hölle. Sie sollen kommen und es selbst sehen. Im August werden es hier 50, vielleicht sogar 60 Grad. Weder Frankreich noch Deutschland sind so heiß – wir verbrennen bei lebendigem Leib.“ Aus Angst vor dem Hitzetod in den kühlen, aber tückischen Bewässerungskanälen appellierte er an die Vernunft: „Trinkt kalte Getränke, esst Eis, aber riskiert nicht euer Leben im Wasser.“

Angesichts dieser extremen Bedingungen warnt die Meteorologische Generaldirektion eindringlich vor den Gesundheitsrisiken. Experten raten, mindestens 2,5 Liter Wasser pro Tag zu trinken, ohne das Durstgefühl abzuwarten.

Doch die drückende Schwüle wird nicht von Dauer sein. Laut Fevzi Burak Tekin, Meteorologe beim staatlichen Wetterdienst, zieht am Wochenende eine markante Kaltfront mit teils heftigen Gewittern über das Land. Besonders am Samstag und Sonntag muss in weiten Teilen des Landes, mit Ausnahme der Ägäisküste und Südostanatoliens, mit Starkregen und sinkenden Temperaturen gerechnet werden. In Istanbul soll das Thermometer am Sonntag auf frische 28 °C fallen.