Im Fall der 2020 verschwundenen Studentin Gülistan Doku gehen die Ermittler offenbar auch der Möglichkeit nach, dass ihre Leiche mit einer chemischen Substanz aufgelöst worden sein könnte. Justizminister Akın Gürlek sprach von neuen Hinweisen in der seit Jahren laufenden Untersuchung.
Leiche möglicherweise mehrfach bewegt
Gürlek sagte am 9. September vor Gerichtsreportern in Istanbul, die Staatsanwaltschaft arbeite mit besonderer Sensibilität daran, die sterblichen Überreste von Doku zu finden. Einige Aussagen in den Ermittlungsakten deuteten darauf hin, dass ihre Leiche möglicherweise mehrfach von einem Ort zum anderen gebracht worden sei.
Irgendwann könnte der Körper demnach mit einer chemischen Substanz aufgelöst worden sein.
Ermittlungen wegen möglicher Tötung
Die damals 21-jährige Studentin verschwand am 5. Januar 2020 in der osttürkischen Provinz Tunceli. Ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt. Die Ermittlungen wurden 2024 deutlich ausgeweitet und konzentrieren sich inzwischen auch auf den Verdacht eines Tötungsdelikts sowie einer möglichen Vertuschung.
Dabei untersuchen die Behörden unter anderem mögliche Manipulationen von Beweismitteln, gelöschte digitale Daten und DNA-Spuren an Fahrzeugen, die mit ehemaligen Amtsträgern in Verbindung stehen. Mehrere Dutzend Verdächtige wurden im Zuge der Ermittlungen festgenommen oder inhaftiert.
Weitere prominente Fälle
Gürlek äußerte sich außerdem zu mehreren anderen laufenden Ermittlungen. Im Fall des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Kaşif Kozinoğlu, der 2011 in einem Gefängnis starb, soll dessen Grab geöffnet werden, um DNA-Proben zu entnehmen und mögliche Hinweise auf eine Vergiftung oder andere Todesursachen zu untersuchen.
Zu den Ermittlungen gegen die religiöse Organisation um Alihan Kuriş sagte Gürlek, im Mittelpunkt stünden finanzielle Verbindungen. Die türkischen Behörden arbeiteten dabei mit den deutschen Justizbehörden zusammen. Die Ermittlungen richteten sich nicht gegen eine religiöse Gemeinschaft als solche, sondern gegen mutmaßlichen Betrug und illegale Finanzstrukturen.
Auch im Fall der Studentin Rojin Kabaiş, deren Leiche am Ufer des Vansees gefunden worden war, seien DNA-Untersuchungen durchgeführt worden. Fragen zu ihrem Mobiltelefon seien jedoch weiterhin ungeklärt.
Darüber hinaus äußerte sich der Minister zu den Ermittlungen gegen den Musiker Haluk Levent und die Hilfsorganisation Ahbap. Dabei würden Finanztransaktionen, Schuldscheine und Immobilienübertragungen im Zusammenhang mit dem Verdacht auf einen Missbrauch von Spendengeldern geprüft.
Im Korruptionsverfahren gegen die Stadtverwaltung von Istanbul würden Staatsanwälte unterdessen neue Berichte und Beweismittel untersuchen, die möglicherweise zu einer zusätzlichen Anklage führen könnten.