Göbeklitepe und Taş Tepeler: 12.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Berlin

Bilder: DHA
11.02.2026 – 12:00 Uhr

Berlin (DHA) – Mit einer großen Ausstellung über Göbeklitepe und die „Taş Tepeler“-Fundstätten bringt die Türkei einen ihrer bedeutendsten archäologischen Schätze nach Europa: Unter dem Titel „Gebaute Gemeinschaft. Göbeklitepe, Taş Tepeler und das Leben vor 12.000 Jahren“ wurde die Schau am Museuminsel-Standort James-Simon-Galerie in Berlin eröffnet – gemeinsam organisiert vom türkischen Kultur- und Tourismusministerium und dem Vorderasiatischen Museum der Berliner Staatlichen Museen.

An der Eröffnung nahm auch der türkische Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy teil. Zu den Gästen gehörten unter anderem der deutsche Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer, der türkische Botschafter in Berlin Gökhan Turan, sowie Vertreter bedeutender wissenschaftlicher Institutionen.

„Archäologie macht das gemeinsame Gedächtnis sichtbar“

In seiner Eröffnungsrede betonte Minister Ersoy die Bedeutung der Ausstellung für die globale Kulturgeschichte: Göbeklitepe und die Taş Tepeler-Fundstellen lieferten Erkenntnisse, die die Menschheitsgeschichte neu interpretieren und die Entwicklung der Zivilisation in einem neuen Licht zeigen würden. Ersoy sprach von einem „einzigartigen Erbe“ der Menschheit, das nun mitten in Europa sichtbar werde.

Er betonte, dass Archäologie nicht nur vergangene Zeiten dokumentiere, sondern auch das gemeinsame menschliche Gedächtnis freilege und damit eine Verbindung über nationale Grenzen hinweg schaffe. Trotz der technologischen Fortschritte der Moderne sei die Vergangenheit weiterhin eine wichtige Lehrmeisterin für die Menschheit.

Neue Erkenntnisse über die Neolithische Revolution

Ersoy erklärte, dass die Forschungsarbeiten im Rahmen des Taş Tepeler-Projekts viele bisherige Annahmen grundlegend verändert hätten. Besonders die Region um Şanlıurfa sei als Geburtsstätte wichtiger Entwicklungen der frühen Menschheit hervorgetreten: Übergang von Jäger- und Sammlerkultur zu Sesshaftigkeit und Landwirtschaft, sowie frühe Formen von Architektur, Skulptur, Glaubenssystemen und gesellschaftlicher Organisation – und das früher als bislang angenommen.

Die in der Ausstellung gezeigten Funde aus Göbeklitepe, Karahantepe und Sayburç zeigten, dass symbolisches Denken, gemeinsame Rituale und komplexe Gemeinschaftsstrukturen bereits vor der Landwirtschaft existierten.

Taş Tepeler als globaler Wissenschaftsstandort

Ersoy hob hervor, dass das Taş Tepeler-Projekt seit 2021 eine breite internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit ermögliche. Er bezeichnete die Fundstätten als universellen Wert, der auch den wissenschaftlichen Dialog zwischen Ländern fördere.

Internationale Präsentationen und Zukunftspläne

Der Minister verwies auf bereits stattgefundene Großveranstaltungen wie den Weltneolithikum-Kongress 2024 in Şanlıurfa, an dem über 1.000 Wissenschaftler aus 64 Ländern teilnahmen. Auch internationale Ausstellungen in Istanbul, Ankara, Madrid und zuletzt im römischen Kolosseum hätten die globale Bedeutung von Göbeklitepe gezeigt. Für die kommenden Jahre seien weitere Ausstellungen in England, Japan und Frankreich geplant.

Deutsch-türkische Zusammenarbeit in der Archäologie

Ersoy würdigte die langjährige Kooperation zwischen Deutschland und der Türkei in Kultur und Archäologie und erinnerte an die Arbeit des Deutschen Archäologischen Instituts, das seit 1929 in der Türkei aktiv sei. Er betonte, dass die Ausstellung die wissenschaftliche Zusammenarbeit weiter stärken und künftig neue gemeinsame Projekte fördern solle.

Der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete die Exponate als „außergewöhnlich wichtig“ für die Geschichte von Menschheit und Zivilisation und lobte die wissenschaftliche Kooperation als vorbildlich.