Ein außergewöhnliches Solidaritätsprojekt türkischer Wissenschaftler und Freiwilliger ist mit dem renommierten „Europa Nostra Award“ ausgezeichnet worden. Das Projekt zur Dokumentation von Erdbebenschäden an Kulturerbestätten nach den verheerenden Beben vom 6. Februar 2023 erhielt die Ehrung in der Kategorie „Bürgerbeteiligung und Bewusstseinsbildung“.
Initiiert wurde das Projekt von Prof. Dr. Çiler Çilingiroğlu von der Ägäis-Universität und Doç. Dr. Nusret Demir von der Akdeniz-Universität. Gemeinsam mit rund 50 freiwilligen Experten dokumentierten sie mehr als 1.500 archäologische und historische Stätten in den elf von den Erdbeben betroffenen Provinzen.
Ausgangspunkt war ein Aufruf von Prof. Dr. Çilingiroğlu auf Instagram. Sie bat Archäologen und Helfer vor Ort darum, Schäden an Kulturstätten zu dokumentieren. Daraufhin meldete sich Doç. Dr. Demir und schlug vor, zusätzlich Satelliten- und Radartechnologien einzusetzen, um die Schäden auch aus der Ferne analysieren zu können.
Im Rahmen des Projekts wurden nicht nur antike Städte untersucht, sondern auch Museen, historische Gebäude, Hügelgräber und andere Kulturgüter. Freiwillige sammelten Fotos, Berichte und Standortdaten aus den betroffenen Regionen. Diese Informationen wurden anschließend mit Satellitenbildern kombiniert und technisch ausgewertet.
Nach Angaben der Projektleiter entstand die Initiative vollkommen freiwillig und ohne finanzielle Unterstützung. Ziel sei es gewesen, in einer Zeit großer Zerstörung einen Beitrag für die Region zu leisten.
Die Untersuchungen ergaben, dass vor allem Bauwerke aus der osmanischen Zeit schwere Schäden erlitten. Prähistorische Hügelanlagen erwiesen sich dagegen häufig als widerstandsfähiger.
Die gesammelten Daten wurden später wissenschaftlich veröffentlicht und 2025 zusätzlich in einer interaktiven Online-Karte zugänglich gemacht. Die Preisverleihung des Europa Nostra Awards soll in Nikosia stattfinden.