Fethiye: Gleitschirmpiloten in Ölüdeniz legen aus Protest Flugbetrieb lahm

08.07.2026 – 15:00 Uhr

Ein ungewohntes Bild über einem der berühmtesten Gleitschirmreviere der Welt: Über der türkischen Mittelmeerküste bei Ölüdeniz blieb der Himmel heute ungewöhnlich leer. Dutzende Tandem- und Solopiloten legten ihre Schirme nieder und stellten den Flugbetrieb am legendären Babadağ ein – jedoch nicht wegen des Wetters, sondern aus Protest gegen die wirtschaftliche Schieflage der Branche.

Mit der kollektiven Arbeitsniederlegung will die Genossenschaft der Gleitschirmpiloten von Ölüdeniz auf einen Katalog ungelöster Probleme aufmerksam machen. „Dieser Streik richtet sich nicht gegen den Tourismus oder unsere Gäste. Unser einziges Ziel ist es, die Zukunft des Gleitschirmsports am Babadağ zu sichern”, betonte der Sprecher der Kooperative, Gani Arslan, bei einer Pressekonferenz vor Ort.

Die Stimmung in dieser für die Region so wichtigen Branche ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Laut Arslan sieht sich die Branche, die als eine der Lokomotiven des Tourismus in Fethiye gilt, einem massiven Kostendruck ausgesetzt. Während Versicherungen, Steuern, Transfer- und Betriebskosten drastisch steigen, verschärfen Dumpingpreise und ein ruinöser Wettbewerb die Krise. „Flüge werden unter den nachhaltigen Mindestpreisen verkauft. Das treibt die Betriebe in eine existenzielle Notlage“, erklärte der Sprecher.

Neben der prekären finanziellen Situation bemängeln die Piloten auch eklatante Mängel in der Infrastruktur. So sei die Zufahrtsstraße zu den Startpisten beispielsweise in einem gefährlichen Zustand. Zudem fordern die Flugsportler die durchgehende Stationierung eines zweiten Rettungswagens auf dem Berg sowie die Modernisierung der Start- und Landeflächen nach internationalen Standards.

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die mangelnde Einbindung in politische Entscheidungsprozesse. Die Branchenvertreter beklagen eine unkontrollierte Expansion und mangelhafte Kontrollen. Sie verlangen einen festen Platz am Verhandlungstisch, wenn über die Regulierung ihres Arbeitsplatzes in schwindelerregender Höhe entschieden wird. Laut den Piloten seien jahrelang vorgebrachte Warnungen ignoriert worden. Nun sei ein Punkt erreicht, an dem die Stille am Himmel das letzte Mittel sei, um Gehör zu finden. Ob und wann sich der Himmel über der Türkischen Riviera wieder mit bunten Schirmen füllt, ist derzeit offen.