Ein jahrzehntelang verschollenes Mosaikfragment aus der antiken Stadt Zeugma ist an seinen angestammten Platz zurückgekehrt. Das aus den USA zurückerhaltene 13. Paneel des weltberühmten „Zigeunerin“-Mosaiks wurde im Zeugma-Mosaikmuseum in Gaziantep in die ursprüngliche Komposition eingefügt.
Bei der feierlichen Einsetzung sprach Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy von einem symbolträchtigen Erfolg im Kampf gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern. Das neu eingesetzte Fragment schließe nicht nur eine physische Lücke im Mosaik, sondern auch eine Leerstelle im kollektiven Gedächtnis. „Wir reparieren ein beschädigtes Gedächtnis und füllen die Lücken in den Geschichtsbüchern“, sagte Ersoy.
Das Mosaikpaneel, das auf das 2. und 3. Jahrhundert nach Christus datiert wird, war in den 1960er Jahren durch Raubgrabungen aus der römischen Grenzstadt Zeugma entfernt und illegal außer Landes gebracht worden. Seine Identifizierung gelang durch Forschungen von Dr. Camila Felag von der Universität Grenoble Alpes sowie durch wissenschaftliche Untersuchungen des Zeugma-Grabungsleiters Prof. Dr. Kutalmış Görkay. Die türkischen Behörden wurden auf das Fundstück aufmerksam, als es auf dem internationalen Kunstmarkt erneut zum Verkauf angeboten wurde. In Zusammenarbeit mit der US-Heimatschutzbehörde wurde die Rückgabe schließlich durchgesetzt.
Ersoy unterstrich die Bedeutung der langjährigen Kooperation mit den Vereinigten Staaten. Ein 2021 unterzeichnetes Memorandum of Understanding zum Schutz von Kulturgut, das kürzlich um weitere fünf Jahre verlängert wurde, bildet das rechtliche Rückgrat für solche Restitutionen. Bereits im Jahr 2018 wurden zwölf Fragmente desselben Mosaiks von der Bowling Green State University in Ohio an die Türkei übergeben. Im Gegenzug fertigten Kunsthandwerker aus Gaziantep detailgetreue Repliken aus Euphrat-Stein für die amerikanische Universität an.
In der Gesamtbetrachtung des Kampfes gegen die Antikenhehlerei zog der Minister eine eindrucksvolle Bilanz: Seit 2002 seien der Türkei insgesamt 13 454 Kulturgüter zurückgegeben worden, davon 9139 in den vergangenen acht Jahren. Mit der Restitution von Statuen aus der antiken Stadt Boubon, darunter Bildnisse der römischen Kaiser Lucius Verus, Septimius Severus und Marcus Aurelius, seien in jüngster Zeit bedeutende Erfolge erzielt worden.
„Unser vorrangiges Ziel ist ein präventiver und ganzheitlicher Kampf gegen den Schmuggel von Kulturgütern”, erklärte Ersoy. Man werde mit derselben Entschlossenheit weiterarbeiten, bis jedes illegal ausgeführte Objekt wieder auf seinem angestammten Boden sei.