Die Stadtverwaltung von Fatih hat am 22. Juni 2026 damit begonnen, rund 70 Hotels im Bezirk Laleli zu versiegeln. Diese konnten zuvor keine positive Brandschutzbescheinigung der Feuerwehr vorlegen. Den betroffenen Betrieben wurden zunächst amtliche Benachrichtigungen zugestellt. Innerhalb einer Frist von 24 Stunden müssen die Eigentümer ihre Gebäude räumen und für die amtliche Schließung vorbereiten.
Hintergrund dieser Maßnahme ist eine verschärfte Sicherheitskampagne der türkischen Regierung, die nach der Brandkatastrophe im Grand Kartal Hotel in Kartalkaya initiiert wurde. Das zuständige Ministerium für Kultur und Tourismus sowie die Kommune unter Bürgermeister Mehmet Ergün Turan hatten den Hotelbesitzern zuvor eine Nachfrist eingeräumt, um die noch offenen Brandschutzauflagen zu erfüllen. Wer dieser Forderung nicht nachkam, wird nun behördlich geschlossen. Laut Behördenangaben weisen die betroffenen Gebäude nicht nur Mängel beim vorbeugenden Brandschutz auf, sondern gelten auch hinsichtlich der Erdbebensicherheit als Risikobau.
Bemerkenswert ist die Auswahl der geschlossenen Häuser: Unter den versiegelten Gebäuden befindet sich auch das Hotel von Tarkan Akyüz. Akyüz ist Vorsitzender des informellen Lobbyverbandes „Old City Hoteliers Platform“ (ehemals „Laleli Hoteliers Platform“). Vertreter der Stadtverwaltung betonten, dass es bei den Schließungen keine Ausnahmen oder Vergünstigungen gegeben habe.
Die konsequente Haltung von Kulturminister Mehmet Nuri Ersoy und der Fatih-Kommune stößt bei den offiziellen Hotelverbänden offenbar auf versteckte Zustimmung. Obwohl die Branchenvertreter in offiziellen Gesprächen regelmäßig Ausnahmeregelungen und Fristverlängerungen fordern, sollen sie in informellen Kreisen über das Ausscheiden unsicherer Betriebe aus dem Wettbewerb erleichtert sein. Diese Haltung sei in privaten Gesprächen wiederholt durchgedrungen, heißt es aus dem Umfeld der Verbände.