Nach dem schweren Fährunglück vor der Küste Nordzyperns sind neun Verdächtige festgenommen worden. Die Ermittler untersuchen den Untergang der Hochgeschwindigkeitsfähre „Filo Jet“, die auf dem Weg von Kyrenia nach Taşucu in der Türkei kurz nach dem Ablegen kenterte und sank.
Unter den Festgenommenen befinden sich der Kapitän M.Ö., mehrere Besatzungsmitglieder sowie ein Mitarbeiter des Betreibers. Insgesamt waren 14 Verdächtige vor das Gericht in Kyrenia gebracht worden. Neun von ihnen wurden in Untersuchungshaft genommen. Zwei der Beschuldigten sind Staatsbedienstete, fünf weitere kamen zunächst frei.
Kapitän schildert seine Version des Unglücks
Der Kapitän M.Ö. schilderte vor Gericht, wie es aus seiner Sicht zu dem Unglück gekommen sei. Demnach habe das Schiff durch die Wellen zunächst im vorderen Bereich schweren Schaden genommen. Der Bug sei schließlich abgerissen, woraufhin die Fähre gekentert sei.
Kapitän und Besatzungsmitglieder wiesen zugleich Vorwürfe zurück, wonach das Schiff trotz ungeeigneter Wetterbedingungen ausgelaufen sei. Nach ihren Angaben hätten die meteorologischen Daten zum Zeitpunkt der Abfahrt keine Probleme erwarten lassen.
Auch die Zulassung des Schiffes stellten die Beschuldigten als ordnungsgemäß dar. Die Fähre habe sowohl für den Schiffsbetrieb als auch in administrativer Hinsicht über die erforderlichen Genehmigungen und Zertifikate verfügt.
Acht Tote, 20 Menschen werden noch vermisst
Die „Filo Jet“ hatte am Sonntagmittag den Hafen von Kyrenia verlassen. Kurz nach der Abfahrt begann das Schiff im vorderen Bereich Wasser aufzunehmen. Die Fähre versuchte daraufhin, zum Hafen zurückzukehren, kenterte jedoch.
An Bord befanden sich nach bisherigen Angaben 267 Menschen, darunter 259 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. 241 Menschen konnten gerettet werden. Acht Menschen kamen ums Leben, 20 weitere werden noch vermisst.
Die Such- und Rettungsmaßnahmen laufen weiter. Die Einsatzkräfte suchen dabei nicht nur auf dem offenen Meer, sondern auch entlang der Küste Nordzyperns nach Vermissten.
Der Präsident Nordzyperns, Tufan Erhürman, kündigte eine umfassende Aufklärung an. Fehler, Versäumnisse und mögliche Verantwortlichkeiten sollten ermittelt werden. Die Öffentlichkeit solle fortlaufend über die Ergebnisse informiert werden.
Zahlreiche Fragen zur Unglücksursache
Unterdessen stehen weiterhin zahlreiche Fragen im Raum. Nach Aussagen von Überlebenden soll bereits während der Fahrt darauf hingewiesen worden sein, dass das Schiff Wasser aufnehme und umkehren müsse. Nun wird untersucht, warum die Fahrt möglicherweise dennoch fortgesetzt wurde.
Auch mögliche Mängel bei den Sicherheitsvorkehrungen werden geprüft. Passagiere berichteten unter anderem von Problemen mit den Türen und einer unzureichenden Zahl von Rettungswesten. Zudem steht der Vorwurf im Raum, dass Passagiere nicht ausreichend beim Anlegen der Rettungswesten unterstützt worden seien.
Weitere Fragen betreffen ein Rettungsfloß, das Berichten zufolge am Schiff befestigt gewesen sein soll und dadurch möglicherweise nicht für die Evakuierung eingesetzt werden konnte.
Schließlich gibt es auch Aussagen von Passagieren, wonach der Kapitän das Schiff verlassen haben soll. Ob diese Darstellung zutrifft, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Die Untersuchung soll nun klären, ob das Unglück allein durch die schwierigen Seebedingungen verursacht wurde oder ob darüber hinaus technische, organisatorische oder menschliche Fehler eine Rolle spielten.