Ersoy stellt Tourismusstrategie für 2027 vor: Mehr Einnahmen, längere Saison, alle 81 Provinzen

07.11.2026 – 8:00 Uhr

ANKARA – Die Türkei will ihre Position als eines der meistbesuchten Reiseziele der Welt weiter ausbauen. Dabei soll der Fokus künftig stärker auf höheren Einnahmen, längeren Aufenthalten und einer gleichmäßigeren Verteilung des Tourismus auf alle 81 Provinzen liegen. Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy stellte die Strategie für 2027 bei einer Sitzung des Haushalts- und Planungsausschusses des türkischen Parlaments vor.

„Unser Ziel ist es, unsere Stärke bei den Besucherzahlen in höhere Tourismuseinnahmen, längere Aufenthalte und eine ausgewogenere Tourismusstruktur umzuwandeln, die sich auf alle 81 Provinzen und zwölf Monate erstreckt“, sagte Ersoy. Die Türkei gehöre inzwischen nicht nur zu den meistbesuchten Ländern der Welt, sondern setze auch bei der Vielfalt touristischer Angebote, beim Destinationsmanagement, der internationalen Vermarktung und der Nachhaltigkeit Maßstäbe.

51,3 Milliarden Dollar Tourismuseinnahmen in neun Monaten

Trotz regionaler Konflikte, gesperrter Lufträume und gestiegener Transportkosten habe sich der türkische Tourismus in einem schwierigen internationalen Umfeld als widerstandsfähig erwiesen, sagte Ersoy. Von Januar bis September 2026 kamen nach seinen Angaben 49,1 Millionen Besucher in die Türkei. Die Tourismuseinnahmen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent auf 51,278 Milliarden Dollar.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 10,34 Nächten. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Person und Nacht erhöhten sich um 4,6 Prozent auf 107,70 Dollar. Bei ausländischen Gästen lag der Wert bei 119,90 Dollar.

Ersoy verwies zudem auf den Aufstieg der Türkei im internationalen Tourismus-Ranking: Bei den Besucherzahlen habe sich das Land von Platz acht im Jahr 2017 auf Rang vier im Jahr 2025 verbessert. Bei den Tourismuseinnahmen sei es im selben Zeitraum von Platz 14 auf Platz sieben vorgerückt. Als wichtige Faktoren nannte der Minister die Zusammenarbeit von öffentlichem und privatem Sektor, die Verkehrsinfrastruktur und die kontinuierlichen internationalen Werbekampagnen der Türkischen Agentur für Tourismusförderung und -entwicklung (TGA).

Fünf strategische Schwerpunkte für 2027

Die Tourismuspolitik für 2027 soll auf fünf strategischen Säulen beruhen. Dazu gehören die Sicherung der Nachfrage in bestehenden Märkten und die Entwicklung hochwertiger Tourismusangebote. Zugleich sollen neue Wachstumsmärkte erschlossen werden, insbesondere in Amerika, Asien, Afrika und Australien.

Gemeinsam mit Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern soll die bestehende Flugkapazität gesichert und durch zusätzliche Direktverbindungen erweitert werden. Internationale Sport- und Kulturveranstaltungen sollen außerdem die weltweite Sichtbarkeit der Türkei stärken. Daten und künstliche Intelligenz will das Ministerium verstärkt für Nachfrageprognosen, Zielgruppenansprache und Werbekampagnen einsetzen.

Als konkretes Beispiel nannte Ersoy die Rückkehr der Formel 1 nach Istanbul. „Wir sind stolz darauf, die Begeisterung für eine der renommiertesten Sportveranstaltungen der Welt 2027 mit der Formel 1 im Istanbul Park wieder in unser Land zu holen“, sagte er.

Milliardenreichweite durch digitale Werbung

Auch die internationale Vermarktung soll weiter ausgebaut werden. Digitale Kampagnen erreichten 2026 nach Angaben des Ministers in 74 Ländern insgesamt 7,1 Milliarden Einblendungen. Zudem werde das Format von Miniserien ausgebaut, mit dem die weltweite Popularität türkischer Fernsehserien für die Tourismuswerbung genutzt werden soll. Zehn Miniserien aus den Jahren 2025 und 2026 kamen demnach auf insgesamt 10,5 Milliarden Einblendungen.

Die mehrsprachige Plattform GoTürkiye verzeichnete bis Oktober 77,2 Millionen einzelne Besucher. Die Social-Media-Kanäle des Landes hatten bis September 23,3 Millionen Follower. Bei den Länderaccounts lag die Türkei auf YouTube und TikTok auf Platz eins sowie auf Instagram auf Platz zwei.

Nachhaltigkeit und Tourismus in allen Jahreszeiten

Bei der nachhaltigen Entwicklung des Tourismussektors sieht Ersoy ebenfalls Fortschritte. Im Rahmen des nationalen Nachhaltigkeitsprogramms hätten bis Oktober mehr als 20.000 Beherbergungsbetriebe entsprechende Dokumente und Zertifikate erhalten. Mehr als 2.650 Betriebe erfüllten bereits sämtliche Kriterien der dritten Stufe. Bis 2030 sollen alle Unterkünfte diese Anforderungen erfüllen.

Im Reise- und Tourismusentwicklungsindex des Weltwirtschaftsforums habe sich die Türkei seit 2019 um elf Plätze auf Rang 36 verbessert. Mit 580 Stränden unter der Blauen Flagge liege das Land weltweit auf Platz drei. Kostenlose öffentliche Strände gebe es inzwischen an 20 Standorten.

Mehr archäologische Ausgrabungen und neue Museumsprojekte

Das Projekt „Erbe für die Zukunft“ bezeichnete Ersoy als die größte archäologische Initiative in der Geschichte der Republik. 2026 werde an 261 Ausgrabungsstätten in 67 Provinzen gearbeitet. Auch 29 von ausländischen Teams geleitete Ausgrabungen seien in ein ganzjähriges Programm aufgenommen worden. Jede dieser Grabungsstätten habe zudem einen türkischen Koordinator als Grabungsleiter erhalten.

Bis Ende des Jahres soll die Gesamtzahl der Ausgrabungs- und Forschungsprojekte 800 erreichen, für 2027 sind 820 geplant. Bei Ausgrabungen zwischen 2024 und 2026 seien mehr als 32.000 archäologische Funde ans Licht gekommen. Die Arbeiten hätten zudem Beschäftigung für mehr als 3.500 Fachleute und 6.500 weitere Arbeitskräfte geschaffen. In den vergangenen zwei Jahren seien außerdem 944 wissenschaftliche Publikationen erarbeitet und veröffentlicht worden.

Das Antalya-Museum soll nach den Plänen des Ministers 2027 wieder für Besucher öffnen. Die überdachte Fläche sei verdoppelt, die Ausstellungsfläche nahezu verdreifacht worden. Dadurch könnten künftig deutlich mehr der bislang in Depots aufbewahrten Exponate gezeigt werden.

Auch die historischen Bahnhofsareale Haydarpaşa und Sirkeci in Istanbul sollen zu Kultur- und Kunstzentren entwickelt werden. Dabei sollen die historische Identität der Gebäude bewahrt und ihre Funktion als Verkehrsknotenpunkte erhalten bleiben. In Haydarpaşa sind unter anderem das erste archäologische Museum auf der asiatischen Seite Istanbuls, ein Archäologiepark, ein Zentrum für darstellende Künste, eine Bibliothek und Ausstellungsräume vorgesehen. Die erste Bauphase soll 2027 abgeschlossen werden. In Sirkeci sind unter anderem ein Migrationsmuseum und weitere Kultur- und Ausstellungsräume geplant.

UNESCO-Welterbekomitee tagt 2027 in Istanbul

Die Türkei verfügt nach Angaben Ersoys über 22 Einträge auf der UNESCO-Welterbeliste. 2027 soll die Bewerbung der Kirchen und Klöster in Midyat und Umgebung bewertet werden. Mit der Aufnahme des Projekts „METU-Campus: Lebendige moderne Kulturlandschaft“ in die vorläufige Liste sei die Zahl der türkischen Kandidaten auf 80 gestiegen.

Zudem wird die 49. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees vom 27. Juni bis zum 7. Juli 2027 unter türkischem Vorsitz in Istanbul stattfinden.

Die Museen und archäologischen Stätten unter Verwaltung des Ministeriums verzeichneten bis Ende Oktober 28,5 Millionen Besucher. Mehr als 1,3 Millionen Menschen nutzten das Angebot der Nachtöffnungen, rund 35 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. 2026 seien zudem 126 ins Ausland verbrachte Kulturgüter in die Türkei zurückgeführt worden. Damit steige die Zahl der zwischen 2002 und 2026 restituierten Objekte auf insgesamt 13.574.

Kulturstraßenfestival wird auf 32 Provinzen ausgeweitet

Das Türkische Kulturstraßenfestival soll 2027 in sechs weiteren Provinzen stattfinden. Neben den bislang vorgesehenen 26 Städten sollen Balıkesir, Denizli, Hatay, Kocaeli, Muğla und Tekirdağ hinzukommen. Damit würde das Festival künftig 32 Provinzen umfassen.

Im Programm für 2026 seien bislang in 25 Städten mehr als 5.600 Veranstaltungen an 382 Veranstaltungsorten organisiert worden. Auch das immaterielle Kulturerbe soll stärker gefördert werden. Mit 32 Einträgen auf den UNESCO-Listen gehöre die Türkei in diesem Bereich weltweit zu den Ländern mit den meisten registrierten Traditionen und Kulturformen.

Investitionen in Bibliotheken, Theater und Kino

In den vergangenen acht Jahren seien landesweit 257 neue Bibliotheken eröffnet und 373 bestehende Einrichtungen umgestaltet worden. Insgesamt gebe es inzwischen mehr als 1.300 Bibliotheken. Im ersten Halbjahr 2026 umfasste ihr Bestand 27,6 Millionen Bücher; die Zahl der Mitglieder lag bei 7,5 Millionen, die der Nutzer bei 19,9 Millionen. Nach Bibliotheken an Flughäfen, Bahnhöfen und für Kleinkinder seien erste Krankenhausbibliotheken in Osmaniye und Kayseri eingerichtet worden.

Auch die Kulturförderung soll fortgesetzt werden. Für die Spielzeit 2026/27 seien 116,4 Millionen Lira für 391 Projekte privater Theater vorgesehen. Die staatlichen Opern- und Ballettensembles hätten in der vergangenen Spielzeit mit 1.241 Aufführungen insgesamt 653.000 Zuschauer erreicht. Die Filmbranche erhielt 2026 nach Angaben des Ministers Fördermittel in Höhe von insgesamt 674,1 Millionen Lira.

Förderung von Kulturzentren und Cemevis

Das Yunus-Emre-Institut betreibt laut Ersoy 96 türkische Kulturzentren in 72 Ländern. Die Türkische Agentur für Zusammenarbeit und Koordination (TİKA) habe bis November 2026 insgesamt 1.624 Projekte und Aktivitäten in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, kulturelle Zusammenarbeit, Infrastruktur und humanitäre Hilfe umgesetzt.

Im Bereich der Alevitisch-Bektaschitischen Kultur und der Cemevis, der alevitischen Gebetshäuser, seien zwischen 2023 und 2026 Instandhaltungs- und Ausstattungsarbeiten in 850 Einrichtungen abgeschlossen worden. Arbeiten in weiteren 542 Cemevis dauerten an. Das Ministerium übernehme zudem die Beleuchtungskosten von 1.156 Einrichtungen und habe 27.000 Bücher für den Aufbau von Bibliotheken in Cemevis bereitgestellt.

Ersoy betonte abschließend, dass der Zugang zu Kultur und Kunst in allen 81 Provinzen verbessert, das kulturelle Erbe an kommende Generationen weitergegeben und die Erfolge des Tourismus in dauerhaften Wohlstand umgewandelt werden sollten.