Nach mehreren Erdstößen in der Südtürkei könnte die seismische Aktivität nach Einschätzung eines Fachmanns weiter anhalten. Am 4. Oktober hatten Beben der Stärke 4,9 und 5,2 die Region innerhalb weniger Minuten erschüttert und Panik ausgelöst. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden jedoch keine Schäden verursacht.
Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD ereignete sich um 14:19 Uhr Ortszeit ein Beben der Stärke 4,8 im Bezirk Saimbeyli in der Provinz Adana. Um 14:36 Uhr folgte im selben Bezirk ein Erdstoß der Stärke 4,9, bevor um 14:43 Uhr im Bezirk Sumbas in der Provinz Osmaniye ein Beben der Stärke 5,2 registriert wurde. Die Erschütterungen lagen in Tiefen von etwa sieben bis neun Kilometern.
Nach ersten Auswertungen der AFAD wurden im Umfeld des Bebens der Stärke 5,2 mindestens 16 Nachbeben mit Werten zwischen 1,0 und 2,4 gemessen. Insgesamt wurden in der Region innerhalb von 24 Stunden 113 Erdstöße verzeichnet. Die Behörde wies darauf hin, dass in dem Gebiet seit 1900 32 Beben der Stärke 4 oder höher aufgetreten seien, das stärkste mit einer Magnitude von 5,7.
Laut dem Seismologen Hasan Sözbilir ereignete sich die jüngste Aktivität zwischen der Saimbeyli- und der Savrun-Verwerfung. Diese Zonen gelten seit den Erdbeben vom Februar 2023 als Bereiche mit angesammelter seismischer Energie. „Erdbeben ähnlicher Stärke können in dieser Phase in Form eines Erdbebensturms weiter auftreten”, sagte Sözbilir. Er rief die Anwohner dazu auf, nicht in Panik zu geraten.
Hakan Güneyli, Mitglied des Erdbeben-Wissenschaftsrats der AFAD, sagte, die vorliegenden Daten deuteten darauf hin, dass die Serie allmählich nachlassen werde. „Auf Grundlage der bisherigen Daten können wir sagen, dass diese Erdbeben an Stärke verlieren und in zunehmend längeren Abständen auftreten werden“, so Güneyli. Kleinere Nachbeben könnten jedoch noch einige Zeit anhalten.
Güneyli brachte diese mit der Verlagerung elastischer Verformungsenergie in Verbindung, die durch die Erdbeben vom Februar 2023 nach Westen und Südwesten übertragen worden sei. Er warnte zudem, dass die seismische Aktivität nach der Katastrophe von 2023 noch Jahre andauern könne. Die jüngsten Erschütterungen könnten in Kombination mit starken Regenfällen und steilem Gelände das Risiko von Erdrutschen und Steinschlägen in der Region erhöhen.