Ein Erdbeben der Stärke 4,9 hat am Freitag Nachmittag den Osten der Türkei erschüttert. Laut der Katastrophenschutzbehörde AFAD lag das Epizentrum im Landkreis Kemah der Provinz Erzincan in einer Tiefe von etwa 4,5 Kilometern. Die Erschütterungen waren in mehreren umliegenden Provinzen zu spüren.
Erste Lageeinschätzungen der Behörden ergaben keine Schäden oder Verletzten. Dies bestätigte auch der Provinzgouverneur Hamza Aydoğdu in einer ersten Stellungnahme.
Doch der Seismologe Prof. Dr. Süleyman Pampal nutzte die mediale Aufmerksamkeit für eine alarmierende Prognose. In einer Live-Schaltung mit CNN Türk bezeichnete er das aktuelle Beben zwar als „nicht besorgniserregend“, wies jedoch auf eine weitaus größere, unmittelbar bevorstehende Gefahr in derselben Region hin.
„Seismische Lücke: Spannung seit Jahrzehnten aufgebaut“.
Pampal erinnerte an die verheerende Erdbebengeschichte Erzincans, darunter das Beben von 1939 (ca. 8,0) mit zehntausenden Toten und das von 1992 (6,8). Die aktuelle Aktivität liege westlich einer hochgefährlichen Zone.
„Im Abschnitt zwischen Erzincan und Karlıova erwarten wir ein zerstörerisches Beben, das eine Stärke von bis zu 7,5 erreichen kann“, so der Experte. Es handele sich um eine „seismische Lücke“ an der Nordanatolischen Verwerfung, deren Wiederholungszyklus für ein Großbeben abgelaufen sei. „Die Energie hat sich angestaut. Der Bruch kommt.“
Das jüngste Beben der Stärke 4,9 hat dieses erwartete Mega-Beben jedoch nicht ausgelöst, da der Druck im Gestein bereits maximal ist. Sein Fazit ist eindeutig: „Es wird ein zerstörerisches Erdbeben geben. Und leider ist es keine ferne Zukunft. In der kommenden Zeit wird unser Land dieses Erdbeben erleben.“