Nach dem Fund der sterblichen Überreste einer Frau in einem Istanbuler Müllcontainer wird der Aufschrei in der Türkei lauter. Frauenrechtsorganisationen haben zu Protesten aufgerufen. Die Polizei nahm am Flughafen zwei Verdächtige fest.
Wie die Behörden mitteilten, fand ein Müllarbeiter in der Nacht zum 25. Januar in Kurtuluş-Mahalle in Şişli einen in ein Bettlaken gewickelten Leichnam. Eine erste Untersuchung ergab, dass das Opfer enthauptet worden war. Bei der Toten handelt es sich um die 36-jährige Durdona Khokimova aus Usbekistan.
Die Ermittler fanden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Aufnahmen von zwei Männern, die in der fraglichen Nacht mit einem Koffer in der Nähe der Mülltonnen auffällig agierten. Die Polizei identifizierte sie als zwei usbekische Staatsangehörige im Alter von 31 und 29 Jahren.
Laut lokalen Medienberichten konnten die beiden Verdächtigen noch am 25. Januar am Istanbuler Flughafen festgenommen werden, als sie versuchten, nach Georgien zu fliegen. Bei der polizeilichen Vernehmung soll der ältere der beiden Männer das Tötungsdelikt gestanden und angegeben haben, er sei mit dem Opfer in einer Beziehung gewesen. Die Tat sei nach einem Streit geschehen.
Der brutale Mord löste in den sozialen Netzwerken und in der Nachbarschaft Entsetzen und Wut aus. Als Reaktion darauf riefen Frauenrechtsgruppen und Anwohner zu einer Demonstration für den Abend des 25. Januar auf. Geplant war ein Protestmarsch vom Osmanbey-Pangaltı-Ausgang zur Kuyulubağ-Straße, dem Fundort der Leiche.
Die Tat wirft ein Schlaglicht auf das Problem der tödlichen Gewalt gegen Frauen in der Türkei. Laut Daten der Türkischen Frauenvereine-Föderation (TKDF) wurden im vergangenen Jahr 420 Frauen getötet. Zusätzlich starben 508 Frauen unter suspekten Umständen, sodass sich die Gesamtzahl auf 928 beläuft. Experten verweisen besonders auf den starken Anstieg dieser ungeklärten Todesfälle. Statistiken zufolge werden etwa 97 Prozent der getöteten Frauen von Männern aus ihrem Bekanntenkreis ermordet, häufig von (Ex-)Partnern.