Der einst zum Sterben verurteilte Marmara-See erwacht zu neuem Leben. Nach Jahren extremer Dürren, erbitterten Landstreitigkeiten und dem kompletten Zusammenbruch des Fischfangs bedecken massive Regenfälle und künstliche Wasserzufuhr die staubige Ebene wieder mit einer glitzernden Wasserfläche. Erste große Schwärme von Zugvögeln sind bereits an das ökologisch wertvolle Gewässer zurückgekehrt.
Das als „Vogelparadies“ und „national bedeutsames Feuchtgebiet“ zertifizierte Areal an der Grenze der Landkreise Salihli, Saruhanlı und Gölmarmara war in den vergangenen Jahren zum Symbol einer ökologischen Katastrophe geworden. Durch anhaltenden Wassermangel fiel der See großflächig trocken und der Grund riss tief auf. Rund 20.000 Wasservögel aus 101 Arten – darunter gefährdete Spezies wie der Krauskopfpelikan und der Kormoran – verloren ihren Lebensraum. Fischerboote strandeten im Schlamm und der Berufszweig der Fischer kam völlig zum Erliegen. Auf den neu entstandenen Flächen eskalierte die Situation: Landwirte machten Teile des Seebetts urbar und es kam zu insgesamt vier Massenschlägereien, bei denen ein Mensch starb und zwei weitere verletzt wurden.
Eine Trendwende brachte schließlich die ungewöhnlich hohe Niederschlagsmenge des Jahres 2026: Die Pegel der Region stiegen deutlich über den langjährigen Durchschnitt, sodass der Demirköprü-Staudamm einen Wasserstand von 242,12 Metern erreichte und rund 920 Millionen Kubikmeter Wasser speichern konnte. Um das historische Ökosystem zu stabilisieren, begann die Wasserbehörde, Wasser aus dem vollen Reservoir direkt in das ausgetrocknete Becken des Marmara-Sees zu leiten. Die Kombination aus Regen und künstlicher Zufuhr führte zu einer rasch sichtbaren Erholung: Wo zuvor nur Risse und Staub waren, steht nun wieder Wasser. Parallel zum steigenden Pegel registrierten Naturschützer die erhoffte Rückkehr der Zugvögel, die das Gewässer wieder als Rast- und Brutplatz akzeptieren.
Doch die Behörden verlassen sich nicht allein auf den Regen. Um ein erneutes Trockenfallen zu verhindern, hat die 2. Regionaldirektion des Staatlichen Wasserbauamts (DSI) ein zukunftsweisendes Projekt auf den Weg gebracht. Die Ausschreibung ist abgeschlossen und die Planung konkret: Jährlich sollen 25 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Bozdağ-Gebirge über ein Leitsystem aus fünf Regulatoren (Ahmetli, Sart, Tabakçayı, Kurşunlu und Gümüş) durch den bestehenden Kendirlik-Zuleitungskanal in den See geleitet werden. Das Ziel der Ingenieure ist ambitioniert: Spätestens im Jahr 2028 soll der Marmara-See vollständig mit Wasser gefüllt sein und damit dauerhaft als Feuchtbiotop und Vogelparadies erhalten bleiben.