Auch fast ein Jahr nach dem verheerenden Brand im Grand Kartal Hotel im Skiresort Kartalkaya lastet die Trauer unvermindert schwer auf den Hinterbliebenen. Bei dem Feuer am 21. Januar 2025 kamen 78 Menschen ums Leben, 137 wurden verletzt. Unter den Opfern befand sich etwa die Hälfte Kinder, da der Brand in die Ferienwoche fiel.
Elf Angeklagte, darunter der Hotelbesitzer Halit Ergül, wurden wegen dieser Katastrophe bereits zu mehrfachen lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Für die Familien der Opfer können diese Urteile den Verlust jedoch nicht ausgleichen. Die Bilder von Gästen und Personal, die sich vor Rauch und Flammen aus Fenstern stürzten oder sich mit Bettlaken aus den oberen Stockwerken abseilten, gingen damals durch die Medien.
Yüksel Gültekin verlor bei dem Unglück acht Familienmitglieder, darunter drei seiner Kinder und vier Enkelkinder. Er beschreibt seinen Alltag als fortwährenden Kampf. „Ich spüre den Schmerz dieses Tages immer noch so scharf wie damals“, sagte er den Journalisten. Er besucht jeden Tag den Friedhof, selbst nachts oder auf Durchreisen. An den Gräbern seiner Enkel lässt er Luftballons steigen, die er regelmäßig ersetzt. „Das ist psychologisch. Wenn ich die Ballons steigen lasse, sehe ich meine Kinder darin und habe das Gefühl, sie leben. So bewältigt unser Verstand das jetzt“, so Gültekin.
Auch Mehmet Güner, der mehrere Angehörige verloren hat, spricht von einem unerträglichen Leid, das immer noch präsent ist. „Kein Gerichtsurteil kann uns unsere Lieben zurückbringen. Der Schmerz bleibt, auch wenn wir uns abzulenken versuchen. Damit klarzukommen, ist unendlich schwer“, sagte Güner. Die Familien fordern weiterhin eine lückenlose Aufklärung der Sicherheitsmängel, die zu der Tragödie führten.
Die Ermittlungen zu den konkreten Brandursachen und den behaupteten Sicherheitsverstößen hatten landesweit Entsetzen und Forderungen nach strengeren Kontrollen ausgelöst. Die Verurteilten haben Revision gegen die Urteile eingelegt.