Die Extremwetterereignisse nehmen infolge des Klimawandels deutlich zu. „Ein Jahr Dürre, ein Jahr Starkregen – das ist inzwischen zur neuen Normalität geworden“, sagt Doç. Dr. Güray Doğan von der Ingenieurkammer für Umwelttechnik in Antalya und Dozent an der Akdeniz Üniversitesi.
Nach dem Dürrejahr 2024 seien in diesem Jahr verstärkt heftige Niederschläge aufgetreten, erklärte Doğan. Die Folgen: Überschwemmungen, Erdrutsche und Hochwasser. Wetterextreme träten immer häufiger auf – darauf müsse sich auch die Bevölkerung systematisch vorbereiten.
Dürre verschlechtert Bodenstruktur
Besonders problematisch sei, dass langanhaltende Trockenperioden die Bodenstruktur verändert hätten. „Schwere Dürre hat die Durchlässigkeit der Böden verringert. Wenn Wasser nicht mehr versickern kann, nimmt der Oberflächenabfluss zu – und damit steigt das Risiko für Überschwemmungen erheblich“, so Doğan.
Zwar hätten starke Regenfälle zuletzt ausgetrocknete Seen und Wasserfälle wieder zum Leben erweckt. Doch das sei kein nachhaltiger Effekt. Entscheidend sei eine langfristige Strategie im Umgang mit Wasserressourcen. Dabei spiele auch die illegale Nutzung von Grundwasser eine wichtige Rolle, die stärker kontrolliert werden müsse. Landwirtschaftliche Interessen dürften nicht gegen den Schutz der Wasserressourcen ausgespielt werden, betonte Doğan. Gefordert seien effizienzbasierte und langfristige Planungen.
Versiegelung verschärft das Problem
Ein weiteres Kernproblem sieht der Umweltingenieur in der zunehmenden Urbanisierung. „Wird ein Gebiet zur Bebauung freigegeben, sind rund 90 Prozent der Fläche betoniert. Von dem kleinen verbleibenden Teil kann man keine hohe Versickerungsleistung erwarten“, erklärte er. Die starke Bodenversiegelung verhindere, dass Regenwasser in den Boden eindringt.
Naturbasierte Lösungen gefordert
Doğan plädierte für naturbasierte Lösungen in der Stadtplanung. Dazu gehörten überschwemmungsfähige Parks, temporäre Wasserspeicherflächen für Starkregenereignisse sowie Umleitungskanäle. Stadt und ländlicher Raum müssten gemeinsam gedacht werden. Auch in der Landwirtschaft brauche es eine planvolle Steuerung – etwa durch gezielte Gewächshausplanung, funktionierende Drainagesysteme und produktivitätsorientierte Anbaumethoden.
Nur durch ein integriertes Management lasse sich verhindern, dass sich die Folgen des Klimawandels weiter verschärfen, warnte der Experte.