Aus einer launigen Online-Forderung wurde diplomatische Bühnenrealität: Am Rande eines Festakts lieferten sich Frankreichs Botschafterin Isabelle Dumont und ihr belgischer Amtskollege Hendrik Van de Velde ein tänzerisches Duell zum volkstümlichen Hit „Erik Dalı“. Was im Mai als humorvoller Seitenhieb in den sozialen Netzwerken begann, fand am Montagabend anlässlich des französischen Nationalfeiertags seine furiose Auflösung – zur großen Begeisterung des geladenen Publikums.
Der Grundstein für das ungewöhnliche Kräftemessen wurde vor Wochen gelegt, als ein Video von Botschafter Van de Velde viral ging, in dem er den Ankara-Tanz zu „Erik Dalı“ vorführte. Der Belgier hatte bei einem früheren Empfang mit sichtbarer Hingabe den Ankara-Tanz zu „Erik Dalı“ präsentiert. Die Reaktion der französischen Vertretung ließ nicht lange auf sich warten. In einem offiziellen, aber betont scherzhaften Beitrag forderte die Botschaft den Belgier zu einem direkten Vergleich auf dem Parkett des 14. Juli heraus. Botschafterin Dumont sekundierte unmissverständlich: „Sevgili dostum, ich bin bereit!”
Zum französischen Nationalfeiertag wurde die Ankündigung nun eingelöst. Als der türkische Interpret Ömer Faruk Bostan, der durch seine Version des „Erik Dalı“ populär geworden war, im Garten der französischen Residenz die Bühne betrat, war der Moment für die diplomatische Tanzeinlage gekommen. Vor den Augen der verdutzten und zugleich entzückten Festgäste betraten Dumont und Van de Velde die improvisierte Tanzfläche. Was folgte, war eine mehrere Minuten währende, rhythmisch präzise Abfolge traditioneller Figuren, bei der die Kontrahenten einander Zug um Zug konterten.
Das starre Protokoll der internationalen Diplomatie wurde für diesen Abend außer Kraft gesetzt. Anstelle förmlicher Reden dominierten treibende Beats und das Klicken zahlreicher Smartphone-Kameras das Geschehen. Die anwesenden Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft quittierten die Performance mit anhaltendem Applaus und ließen so keinen Zweifel daran, dass dieser Schlagabtausch der besonderen Art beide Seiten als Gewinner sah. Ein Scherz in den sozialen Medien mündete somit in ein vielbeachtetes Bild gelebter Völkerverständigung jenseits aktenkundiger Pfade.