Chemotherapie per Mikronadel: Türkisches Team gewinnt Gold bei Erfinderwettbewerb in Bukarest

29.07.2026 – 8:00 Uhr

Ein türkisches Forscherteam hat ein neuartiges Pflaster zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs entwickelt und damit die Goldmedaille beim internationalen Erfinderwettbewerb „Euroinvent 2026” in Rumänien gewonnen. Das 3D-gedruckte Hydrogel-Mikronadelpflaster ermöglicht eine operativ freie Therapie, bei der eine Chemotherapie mit einer photothermischen Behandlung kombiniert wird.

Wie die beteiligten Hochschulen mitteilten, setzte sich das aus zwölf Personen bestehende Team gegen Konkurrenten aus 17 Ländern durch und erhielt zudem den Sonderpreis des Weltverbands für geistiges Eigentum (WIIPA). Die Wissenschaftler forschen am gemeinsamen Exzellenzzentrum für Gesundheitsbiotechnologie (SABİOTEK), einer Kooperation der Yıldız Technischen Universität, der Marmara-Universität und der Universität Istanbul-Cerrahpaşa. Das Projekt wird vom türkischen Forschungsrat TÜBİTAK und den Gesundheitsinstituten der Türkei (TÜSEB) unterstützt.

Das Pflaster vereint zwei Wirkmechanismen auf einer einzigen Plattform: Die eingebauten Mikronadeln geben ein Chemotherapeutikum gezielt direkt an das Krebsgewebe ab. Gleichzeitig werden die im System enthaltenen sogenannten Quantenpunkte durch Licht mit einer Wellenlänge von 808 Nanometern stimuliert. Die dadurch entstehende lokale Überwärmung schädigt gezielt Zellproteine, löst den programmierten Zelltod aus und steuert die kontrollierte Medikamentenfreisetzung.

„Das System verteilt die Wirkstoffe ausschließlich im betroffenen Krebsareal”, erklärte Cem Bülent Üstündağ, Fakultätsmitglied der Bioingenieurwissenschaften an der YTÜ und Co-Direktor von SABİOTEK. Durch die Kombination aus direkter Hyperthermie und Medikamentenwirkung wird der Behandlungsprozess im Vergleich zur herkömmlichen periodischen Chemotherapie erheblich verkürzt. Zudem werden systemische Nebenwirkungen deutlich reduziert. Für das operativ nicht notwendige Verfahren, das die Behandlungszeit halbieren soll, wurden nach Angaben der Forscher bereits Patentanträge eingereicht.