Chef der Istanbuler Börse festgenommen – Ermittlungen im Fonds-Skandal weiten sich aus

03.11.2026 – 14:00 Uhr

Istanbul – Die Ermittlungen zu mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten auf dem türkischen Kapitalmarkt haben einen weiteren hochrangigen Vertreter erfasst: Korkmaz Enes Ergün, Generaldirektor der Istanbuler Börse (Borsa Istanbul), wurde am 31. Oktober festgenommen. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Festnahme erfolgte im Rahmen der Untersuchungen der Istanbuler Oberstaatsanwaltschaft zu Transaktionen auf den Kapitalmärkten. Ergün wird nach Angaben der Nachrichtenagentur verdächtigt, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein, die zur Begehung von Straftaten gegründet worden sein soll. Zudem steht der Vorwurf der Bestechlichkeit im Raum.

Ergün leitet die Borsa Istanbul seit 2021. Im Zusammenhang mit den Fonds-Ermittlungen wurden nach bisherigen Angaben bereits mehr als 110 Menschen festgenommen.

Wechsel an der Spitze der Kapitalmarktaufsicht

Parallel zu den Ermittlungen wurde auch die Führung der türkischen Kapitalmarktaufsicht (SPK) neu besetzt. Per Präsidialdekret, das von Präsident Recep Tayyip Erdoğan unterzeichnet und im Amtsblatt veröffentlicht wurde, wurde Muhsin Atcı zum neuen Vorsitzenden ernannt. Er war zuvor Leiter der Steuerinspektionsbehörde.

Der bisherige SPK-Präsident Mahmut Sütcü hatte seinen Rücktritt mit gesundheitlichen Problemen begründet. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Ersin Başar Ekmekci berufen, Yasemin Girici erhielt einen Sitz im Aufsichtsgremium.

Fast 100 Milliarden Lira an Anleger ausgezahlt

Unterdessen haben Anleger im Zuge der Abwicklung der betroffenen Fonds erste weitere Rückzahlungen erhalten. Am 30. Oktober wurden auf Grundlage eines vom Parlament verabschiedeten Gesetzes über die außerordentliche Fondsabwicklung insgesamt 29,3 Milliarden Lira an 235.705 Anleger ausgeschüttet. Betroffen waren sieben Fonds.

Bereits zuvor waren im Rahmen regulärer Abwicklungsverfahren 68 Milliarden Lira an 63.759 Anleger aus 93 Fonds ausgezahlt worden.

Damit summierten sich die Rückzahlungen aus regulären und außerordentlichen Abwicklungen zum Stichtag 30. Oktober auf 97,3 Milliarden Lira. Insgesamt profitierten davon 299.464 Anleger aus 100 Fonds.