Bursa: Ehemalige “Wasserstadt” kämpft mit historischer Trockenheit

22.01.2026 – 9:00 Uhr

Die türkische Millionenstadt Bursa, die einst für ihren Wasserreichtum berühmt war, steht vor einer schweren Wasserkrise. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, sind die Pegel der wichtigsten Trinkwasser-Reservoirs auf kritische Tiefststände gefallen. Grund hierfür sind anhaltende Dürren, sinkende Grundwasserspiegel und der dramatische Rückgang der Schneedecke am nahegelegenen Uludağ-Berg.

Der Bürgermeister der Großstadt, Mustafa Bozbey, zog eine alarmierende Bilanz: „Bursa ist keine Wasserstadt mehr.” Der Wasserstand im Doğancı-Stausee liege bei nur noch zehn Prozent und im Nilüfer-Stausee sogar bei lediglich zwei Prozent. „Wir haben fast die Hälfte des Januars hinter uns. Es sieht zwar nach Schnee und Regen aus, aber aufgrund der anhaltenden Dürre kann sich der Boden immer noch nicht vollsaugen“, so Bozbey weiter.

“Wassersicherheit” Uludağ verliert halbe Schneedecke

Besorgniserregend ist die Entwicklung am Uludağ, der als natürlicher „Wasserspeicher” der Region gilt. Laut offiziellen Daten hat die Schneedecke auf dem Berg in den letzten zehn Jahren um bis zu 50 Prozent abgenommen. Während der Gipfel 2015 noch an 266 Tagen schneebedeckt war und eine maximale Dicke von 187 Zentimetern erreichte, hielt sich die Schneedecke 2024 nur noch 100 Tage und erreichte lediglich 93 Zentimeter. Diese Entwicklung untergrabe die Neubildung der Grund- und Oberflächenwasserressourcen massiv.

Hintergrund ist eine großräumige Trockenheit. Der „Wasserjahresbericht 2025” der türkischen Meteorologiebehörde verzeichnet für den Zeitraum Oktober 2024 bis September 2025 Niederschlagsmengen, die 26 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt liegen – der niedrigste Wert seit 52 Jahren.

Wasserverbrauch sank nach Aufrufen und Zwangspausen

Um die Krise zu bewältigen, musste die Stadt bereits im Herbst planmäßige Unterbrechungen der Wasserversorgung vornehmen. Laut Bürgermeister Bozbey zeigten die Appelle zum Wassersparen und diese Maßnahmen Wirkung: Der tägliche Wasserverbrauch in der Stadt sank von etwa 525.000 Kubikmetern auf rund 430.000 Kubikmeter. „Es hat sich ein Bewusstsein gebildet”, sagte Bozbey und dankte der Bevölkerung. Dieser reduzierte Verbrauch hält bis heute an.

Landwirtschaft im Fokus: 70 Prozent des Wassers für Bewässerung

Ein Hauptproblem liegt im hohen Verbrauch der Landwirtschaft. Laut Bozbey werden 70 Prozent des in Bursa genutzten Wassers für die Bewässerung verwendet. Bozbey rief die Landwirte eindringlich dazu auf, von der ineffizienten „wilden Bewässerung“ auf Tröpfchenbewässerung umzusteigen. Die Stadt verteilt dazu kostenlos Schläuche und denkt über einen Wechsel zu wassersparenderen Anbaukulturen nach.

Zudem setzt die Kommune auf technische Lösungen. In Schulen wurden bereits „intelligente Wasserhähne” installiert, die den Durchfluss um bis zu 80 Prozent reduzieren. Ein ähnliches Programm für Privathaushalte ist in Vorbereitung. Entlastung wird im Mai erwartet, wenn eine neue Aufbereitungsanlage am Çınarcık-Stausee in Betrieb geht. Bozbey warnte jedoch: „Das heißt nicht, dass Bursa in Zukunft kein Wasserproblem mehr haben wird.”

Die Stadt, die einst vom osmanischen Reisenden Evliya Çelebi aufgrund ihres Wasserreichtums gelobt wurde, sieht sich gezwungen, ihren Umgang mit der lebenswichtigen Ressource grundlegend zu ändern.