Bundeskanzler Merz würdigt türkische Gastarbeiter – und warnt vor Fremdenfeindlichkeit

(Bildquelle: Steffen Prößdorf)
22.10.2026 – 13:00 Uhr

Anlässlich des 65. Jahrestags des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens hat Bundeskanzler Friedrich Merz die türkischen Gastarbeiter und ihre Nachkommen für ihren Beitrag zum Wohlstand Deutschlands gewürdigt. Bei einer Festveranstaltung in Berlin betonte er, dass die Arbeitsmigranten aus der Türkei mit ihrer Arbeit das Fundament der deutschen Industrie und die Grundlage des heutigen Wohlstands mit aufgebaut hätten. Dies sei eine „Erfolgsgeschichte“.

„Gemeinsam modernisiert“

Seit den 1960er Jahren hätten Deutsche und Türken durch ihren Austausch zueinandergefunden, so Merz. Deutschland sei durch die Migration aus der Türkei kulturell, wirtschaftlich, wissenschaftlich und auch kulinarisch reicher geworden. Die Migranten hätten „die kulturelle Identität der Bundesrepublik Deutschland tief geprägt“. Integration sei die Aufgabe jeder modernen, pluralistischen Gesellschaft. Voneinander und miteinander zu lernen, gehöre zu ihren Kernaufgaben.

Die Kinder und Enkel der ersten „Gastarbeiter“-Generation schrieben inzwischen eigene Erfolgsgeschichten in Deutschland. Merz nannte in diesem Zusammenhang die Schriftsteller Aras Ören und Deniz Utlu, den Fußballer İlkay Gündoğan, den Regisseur Fatih Akın sowie die BioNTech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci.

Warnung vor Fremdenfeindlichkeit

Zugleich verurteilte der Kanzler Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. In der 65-jährigen Geschichte der türkischen Migration nach Deutschland gebe es auch „dunkle Kapitel”, in denen sich Fremdenangst zu einer ideologischen Haltung entwickelt habe, die in schreckliche Gewalttaten gemündet sei. Merz erinnerte an die rassistischen Anschläge von Mölln, Solingen und Hanau sowie an die rechtsextremistische Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), die zehn Menschen tötete, darunter acht Türken.

Merz bezeichnete Fremdenangst als „das Gift jeder freiheitlichen Gesellschaft“ und rief dazu auf, den Jahrestag des Anwerbeabkommens als Anlass für Wachsamkeit zu nutzen. Gesellschaftlicher Fortschritt könne wieder verloren gehen, wenn er nicht aktiv und entschlossen verteidigt werde. Fremdenangst werde heute ideologisch missbraucht. Er kritisierte die Pläne der rechtsextremen AfD zur „Rückwanderung“ scharf. Dahinter stecke „ein Angriff auf das moderne Deutschland, das wir in den vergangenen 65 Jahren gemeinsam aufgebaut haben“.

Erwartungen und Rechte

Merz betonte, von Zugewanderten werde zu Recht die Einhaltung demokratischer Regeln erwartet, darunter die Achtung der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie die Verantwortung gegenüber Juden. Zugleich habe jeder, der sich in Deutschland integriere, Anspruch auf Chancengleichheit und Zugehörigkeit in der deutschen Gesellschaft. Der Kanzler kritisierte, dass Angehörige der ersten, zweiten und sogar dritten Generation trotz aller Bemühungen noch immer „wie Ausländer behandelt“ würden.