Botox-Alarm in Antalya: 16 Menschen nach Schönheitsbehandlungen im Krankenhaus

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13.10.2026 – 10:00 Uhr

Antalya – Nach kosmetischen Botox-Behandlungen sind in der türkischen Provinz Antalya innerhalb der vergangenen drei Monate 16 Menschen so schwer erkrankt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Einige Patienten benötigten künstliche Beatmung, drei wurden auf der Intensivstation versorgt. Die Behörden untersuchen nun die Fälle.

Die Betroffenen wurden im Krankenhaus der Akdeniz-Universität in Antalya behandelt. Sie litten unter anderem unter Schluck- und Sprechbeschwerden, Atemproblemen sowie ausgeprägter Muskelschwäche. Einige Patienten konnten ihre Muskeln kaum noch ausreichend einsetzen, um sich im Bett aufzurichten. Menschen mit leichteren Symptomen wurden ambulant betreut.

Alle 16 stationär aufgenommenen Patienten waren zuvor kosmetischen Botox-Behandlungen unterzogen worden. Allein in der vergangenen Woche mussten sieben Patienten in die neurologische Klinik aufgenommen werden. Ihre Fälle wurden als mögliche Straftaten gemeldet. Nun soll untersucht werden, wo die Behandlungen durchgeführt wurden und wer dafür verantwortlich war.

Patientin erhebt schwere Vorwürfe

Eine der betroffenen Frauen, die weiterhin im Krankenhaus behandelt wird, berichtet von Komplikationen wenige Tage nach dem Eingriff. „Vor etwa 20 Tagen ging ich in die Klinik eines Arztes und ließ mir Botox spritzen. Einige Tage später sank mein Augenlid ab, und mein Auge schloss sich. Danach bekam ich Schluckbeschwerden“, schilderte F.F. gegenüber der Nachrichtenagentur DHA.

Besonders schwer wiegt ihr Vorwurf, dass nicht der Arzt selbst, sondern dessen Sekretärin die Behandlung durchgeführt habe. Sie appellierte an andere Menschen, solche Eingriffe ausschließlich von qualifizierten Fachkräften vornehmen zu lassen.

Ärzte warnen vor schweren Vergiftungen

Prof. Dr. Ebru Apaydın Doğan, Neurologin am Universitätskrankenhaus, bestätigte, dass die Zahl der Patienten mit Anzeichen einer Toxinvergiftung in den vergangenen drei Monaten gestiegen sei. Die stationär behandelten Patienten hätten teilweise schwere Beschwerden entwickelt, darunter Atemnot, Schluckstörungen und erhebliche Muskelschwäche.

Bei ungeeigneten Wirkstoffen, nicht fachgerecht durchgeführten Eingriffen oder Produkten unbekannter Herkunft könne es zu einer Toxinvergiftung kommen, erklärte die Medizinerin.

Auch der Internist Doç. Dr. Hasan Sözel mahnte zur Vorsicht. Vor einer Behandlung sollten Patienten prüfen, ob die Einrichtung als Gesundheitszentrum zugelassen sei und ob die verwendeten Präparate zugelassen seien und unter geeigneten Bedingungen beschafft würden.

Beschwerden können sich über Tage verstärken

Dr. Yusuf Savrun von der neurologischen Abteilung erklärte, dass Nebenwirkungen nach einer Toxinbehandlung häufig innerhalb der ersten 24 Stunden erkennbar würden und sich in den folgenden zwei Wochen verstärken könnten.

Die Notfallmedizinerin Dr. Aslıhan Yürüktümen Ünal berichtete, dass Betroffene unter anderem mit Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Atemnot, hängenden Augenlidern und Muskelschwäche in die Klinik kämen. Bei schwer beeinträchtigter Atmung seien lebensrettende Maßnahmen bis hin zur künstlichen Beatmung notwendig.

Neue Regeln für ästhetische Behandlungen in der Kritik

Die Ärzte unterscheiden ausdrücklich zwischen kosmetischen Botox-Behandlungen und medizinisch notwendigen Anwendungen, etwa bei neurologischen Erkrankungen und unwillkürlichen Muskelkrämpfen. Botox könne bei fachgerechter Anwendung auch in der Neurologie wichtige therapeutische Dienste leisten.

In der Türkei wurden die Voraussetzungen für ästhetische Behandlungen durch eine am 7. Januar 2025 im Amtsblatt veröffentlichte Verordnungsänderung ausgeweitet. Während bestimmte ästhetische Eingriffe zuvor vor allem Fachärzten aus der Dermatologie und plastischen Chirurgie sowie entsprechend zertifizierten Ärzten vorbehalten waren, wurden sie durch eine Kurzzeitzertifizierung auch für weitere Ärzte zugänglich.

Die befragten Experten betonen deshalb, dass Botox- und Filler-Behandlungen medizinische Eingriffe seien, die von entsprechend qualifizierten Ärzten in zugelassenen Gesundheitseinrichtungen durchgeführt werden sollten.

Die Untersuchungen zu den 16 Erkrankungsfällen dauern an. Ob fehlerhafte Anwendungen, ungeeignete Präparate oder andere Ursachen für die Beschwerden verantwortlich sind, muss noch geklärt werden.