Der Tod einer Gymnasiallehrerin durch einen ihrer Schüler hat in der Türkei Entsetzen ausgelöst und eine langjährige Debatte über Gewalt an Schulen neu entfacht. Die Tat führte zu landesweiten Protesten von Lehrer- und Bildungsgewerkschaften.
Am Morgen des 2. März griff ein 17-jähriger Schüler eine Lehrerin mit einem Messer an einer Berufsschule im Istanbuler Stadtteil Çekmeköy auf der asiatischen Seite der Stadt an. Die 44-jährige Biologielehrerin Fatma Nur Çelik wurde lebensgefährlich verletzt und verstarb trotz sofortiger medizinischer Behandlung.
Bei dem Angriff wurden auch eine zweite Lehrerin und ein 15-jähriger Schüler verletzt, als sie versuchten, einzugreifen. Beide befinden sich in stabiler Verfassung. Der Täter, der bisher nur mit den Initialen F.S.B. identifiziert wurde, wurde noch am Tatort festgenommen.
Neue Details der Ermittlungen haben die öffentliche Empörung weiter verstärkt: Der Schüler soll zuvor bereits in Gewalttaten an der Schule verwickelt gewesen sein und Disziplinarakten geführt haben. Çelik, die Mitglied des Schuldisziplinarausschusses war, hatte Kollegen Berichten zufolge bei früheren Treffen gewarnt: „Wir haben keine Sicherheitsgarantie.“
Zudem prüfen Ermittler, ob der Schüler nach einem kürzlichen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik gezielt den Angriff geplant hat, indem er den Stundenplan der Lehrerin beobachtete.
Als Protest kündigten mehrere Bildungsgewerkschaften – darunter Türk Eğitim-Sen, Eğitim Bir-Sen, Eğitim Sen und Eğitim-İş – einen eintägigen Streik aller Schulen in Istanbul an. Die Gewerkschaften fordern stärkere Sicherheitsmaßnahmen an Schulen und zollen der getöteten Lehrerin Respekt.
Justizminister Akın Gürlek bestätigte, dass eine umfassende Untersuchung eingeleitet wurde und die Verantwortlichen „vor das Gesetz gebracht werden“. Bildungsminister Yusuf Tekin bezeichnete den Vorfall als einen Verlust, der „die gesamte Nation tief erschüttert“ habe, und betonte die zentrale Rolle von Lehrkräften als Gestalter der Zukunft.
„Wir sind alle tief erschüttert über den Verlust einer Pädagogin, die in die Klasse trat, um einen jungen Menschen zu fördern und zu bilden“, erklärte Tekin. Das Bildungsministerium teilte mit, dass Inspektoren die Möglichkeit von Fahrlässigkeit prüfen und psychologische Unterstützung für Schüler und Lehrpersonal bereitgestellt werde.
Die Schule blieb am Tatag geschlossen.
Der Mord hat die ungelöste Debatte über Gewalt an Schulen wiederbelebt. In den vergangenen Jahren kam es in der Türkei mehrfach zu Angriffen von Schülern auf Lehrer oder Schulpersonal. Hochkarätige Fälle hatten bereits vorübergehende Streiks und Proteste ausgelöst, doch Bildungsexperten kritisieren, dass strukturelle Probleme bislang nicht ausreichend adressiert wurden.