Nach der ersten Hitzewelle des Sommers bereitet sich die Türkei bereits auf die nächste Phase extremer Temperaturen vor. Meteorologen warnen, dass sich ab dem 8. und 9. Juli eine zweite Hitzewelle über weite Teile des Landes ausbreiten könnte. Besonders der Westen der Türkei, darunter auch die Millionenmetropole Istanbul, soll betroffen sein.
Während große Teile Europas derzeit unter einer außergewöhnlichen Hitzewelle leiden, erwarten Experten auch für die Türkei einen überdurchschnittlich heißen Juli. Nach Einschätzung des Meteorologen Dr. Güven Özdemir werden die Temperaturen im gesamten Monat ein bis drei Grad über den langjährigen Durchschnittswerten liegen.
Vor allem im Landesinneren der Ägäis, in weiten Teilen der Mittelmeerregion, im südlichen Zentralanatolien sowie im Südosten und Süden Ostanatoliens könnten die Temperaturen auf 36 bis 40 Grad steigen. Lokal seien sogar noch höhere Werte möglich. Gleichzeitig betonen die Experten, dass es zwischendurch auch kurze Abkühlungen geben könne.
Zweite Hitzewelle ab dem 8. Juli
Nach Angaben von Dr. Özdemir hält die aktuelle Hitzewelle zunächst bis zum Wochenende an. Anschließend wird bereits die nächste Hitzelast erwartet.
Besonders in Istanbul sorgen hohe Luftfeuchtigkeit und warme Südwinde dafür, dass die Hitze deutlich belastender empfunden wird. Obwohl die tatsächlichen Temperaturen derzeit bei rund 32 bis 33 Grad liegen, könne die gefühlte Temperatur tagsüber auf über 40 Grad ansteigen. Auch nachts werde es mit gefühlten Temperaturen um die 30 Grad kaum Abkühlung geben.
Bis zu 50 Grad möglich?
Der Geografie-Experte Doç. Dr. Doğukan Doğu Yavaşlı verweist darauf, dass die Temperaturrekorde in der Türkei in den vergangenen Jahren immer schneller gebrochen wurden. Nach 49,1 Grad im Jahr 2021, 49,5 Grad im Jahr 2023 und dem Rekordwert von 50,5 Grad im vergangenen Jahr sei es nicht ausgeschlossen, dass erneut Extremwerte erreicht werden.
Vor allem in den südöstlichen Provinzen wie Şırnak, Mardin, Şanlıurfa und Diyarbakır könnten Temperaturen zwischen 48 und 50 Grad auftreten. Ob die 50-Grad-Marke tatsächlich erneut überschritten wird, lasse sich derzeit jedoch noch nicht sicher vorhersagen.
Warum Europa schon bei 40 Grad Alarm schlägt
Experten weisen darauf hin, dass nicht allein die gemessene Temperatur über die Gefährlichkeit einer Hitzewelle entscheidet. Hohe Luftfeuchtigkeit, fehlende nächtliche Abkühlung, dichte Bebauung und eine unzureichende Infrastruktur erhöhen das Gesundheitsrisiko erheblich.
In Europa sorgt derzeit eine sogenannte „Hitzeglocke“ für außergewöhnliche Temperaturen. Frankreich verzeichnete den heißesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen, in Italien wurden für zahlreiche Städte Hitzewarnungen ausgegeben, während in Großbritannien neue Temperaturrekorde gemessen wurden.
Regen bleibt die Ausnahme
Mit flächendeckenden Niederschlägen rechnen die Meteorologen im Juli nicht. Lediglich im östlichen Schwarzmeerraum sowie im Norden Zentralanatoliens könnten örtlich kurze Sommergewitter auftreten. Insgesamt dürfte jedoch die Hitze das Wettergeschehen im gesamten Monat dominieren.
Meteorologen raten insbesondere älteren Menschen, Kindern und chronisch Kranken, die Mittagshitze zu meiden und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.