ANKARA – Die Türkei hat im vergangenen Jahr die 86-Millionen-Grenze überschritten: Die Bevölkerung wuchs auf rund 86,1 Millionen Menschen, wie das türkische Statistikamt TÜİK am 9. Februar mitteilte. Doch hinter dem Wachstum steckt ein zunehmender demografischer Wandel: Geburtenrückgang, spätere Heiraten und rapide Alterung prägen die Entwicklung.
Der Zuwachs betrug rund 427.000 Menschen im Vergleich zum Vorjahr. Damit stieg die jährliche Bevölkerungswachstumsrate leicht auf 5 Promille – nach 3,4 Promille im Jahr 2024.
Istanbul bleibt dominierend – Esenyurt erstmals über 1 Million Einwohner
Mit 15,75 Millionen Einwohnern bleibt Istanbul die bevölkerungsstärkste Metropole und wirtschaftliche Schaltzentrale des Landes. Fast jeder fünfte Türke lebt in Istanbul. Die Stadt verzeichnet zudem eine extreme Bevölkerungsdichte von 2.943 Einwohnern pro Quadratkilometer (landesweit im Schnitt 112).
Eine wichtige demografische Marke wurde auf Bezirksniveau erreicht: Esenyurt, ein Stadtbezirk Istanbuls, überschritt als erster Bezirk in der Türkei die 1-Millionen-Einwohner-Grenze.
Die Hauptstadt Ankara bleibt mit 5,91 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Provinz. Am anderen Ende der Skala liegt Bayburt im Nordosten mit nur 82.836 Einwohnern.
Wachstum ja – aber die Alterung schreitet voran
Obwohl sich die Bevölkerungsverluste in einigen Provinzen etwas verringerten (2024 verloren 40 Provinzen Einwohner, 2025 waren es noch 33), bleibt die langfristige Entwicklung besorgniserregend.
Die Geburtenrate sank 2024 auf 1,48 Kinder pro Frau – weit unter dem Niveau von 2,1, das nötig wäre, um die Bevölkerung stabil zu halten. Ursache sind unter anderem späte Heiraten und verzögerte Familiengründungen.
Die Medianalter stieg im vergangenen Jahr auf 34,9 Jahre (2024: 34,4). Parallel sank der Anteil der Kinder (0–14 Jahre) auf 20,4 Prozent, während der Anteil der über 65-Jährigen auf 11,1 Prozent anstieg – ein deutliches Zeichen für die beschleunigte Alterung.
Regierung reagiert mit Familienoffensive
Vor diesem Hintergrund hat die Regierung im Rahmen des „Jahres der Familie“ eine Reihe von Maßnahmen gestartet, um Familien zu unterstützen und die Geburtenrate zu stabilisieren. Dazu gehören Einmalzahlungen für das erste Kind sowie monatliche Zuschüsse von bis zu 5.000 Lira für weitere Kinder.
Zudem werden Gesetzesänderungen vorbereitet, die den Mutterschutz von 16 auf 24 Wochen verlängern und den Vaterschaftsurlaub von 5 auf 10 Tage verdoppeln sollen. Eine umfassende Strategie zur Familien-, Bevölkerungs- und Sozialpolitik soll bald vorgestellt werden.