Ein geplantes Jugendfußballcamp der FC-Barcelona-Akademie in Nordzypern sorgt für politischen Streit. Der türkisch-zypriotische Ministerpräsident Ünal Üstel kritisierte am 27. August Berichte, wonach das Camp nach Einwänden der griechisch-zypriotischen Seite abgesagt worden sei.
„Die Absage des Barcelona-Camps als Erfolg zu bezeichnen, kommt einem Eingeständnis der Isolationspolitik gleich“, erklärte Üstel in einer schriftlichen Stellungnahme.
Bei dem Camp habe es sich weder um eine politische Veranstaltung noch um einen Versuch gehandelt, eine Anerkennung Nordzyperns zu erreichen, betonte der Regierungschef. Es sei vielmehr ein sportliches Angebot gewesen, das Kindern und Jugendlichen aus der türkisch-zypriotischen Gemeinschaft die Teilnahme an einem Trainingsprogramm der Barça-Akademie ermöglichen sollte.
„Kein politischer Druck, keine diplomatische Initiative und keine Politik der Isolation wird uns dazu bringen, auf diese Rechte zu verzichten“, so Üstel.
Termine von Barcelonas Website verschwunden
Der FC Barcelona hatte zunächst zwei Barça-Academy-Camps an der Near East University in Lefkoşa angekündigt. Sie sollten vom 7. bis 11. September sowie vom 16. bis 20. September stattfinden. Auf der offiziellen Veranstaltungsseite wurde der Austragungsort als „Near East University, Lefkosa, Northern Cyprus“ angegeben.
Die rechtsgerichtete griechisch-zypriotische Partei ELAM hatte daraufhin die spanische Regierung und die griechisch-zypriotische Verwaltung aufgefordert, einzugreifen.
Auch griechisch-zypriotische Medien berichteten, dass der zyprische Fußballverband den spanischen Verband aufgefordert habe, das Camp zu verlegen oder abzusagen. UEFA und der FC Barcelona sollen dabei in Kopie gesetzt worden sein.
ELAM feierte später eine angebliche Absage als politischen Erfolg. Eine offizielle Mitteilung des FC Barcelona über eine Absage liegt allerdings bislang nicht vor. Auffällig ist jedoch: Die Termine und der Veranstaltungsort sind inzwischen vollständig von der offiziellen Website des Vereins verschwunden.
Streit belastet Beziehungen auf der Insel
Üstel warf der griechisch-zypriotischen Seite vor, die internationalen Kontakte der türkischen Zyprioten einschränken zu wollen. Nordzypern werde seine internationalen Beziehungen dennoch weiter ausbauen – mit Unterstützung der Türkei.
Auch der türkisch-zypriotische Präsident Tufan Erhürman äußerte sich separat zu dem Streit. Maßnahmen dieser Art stünden seinen Worten zufolge den Bemühungen entgegen, Vertrauen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen der Insel aufzubauen.
Zypern ist seit 1974 geteilt. Die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern wird ausschließlich von der Türkei anerkannt.
Aus einem Jugendfußballcamp ist damit ein neuer politischer Zankapfel im seit Jahrzehnten ungelösten Zypernkonflikt geworden.