Atatürks „Nutuk“ in acht Sprachen: Türkei macht historisches Werk weltweit zugänglich

21.10.2026 – 8:00 Uhr

Das türkische Kultur- und Tourismusministerium macht Mustafa Kemal Atatürks historisches Werk „Nutuk“ einem internationalen Publikum zugänglich. Im Rahmen des neu vorgestellten Projekts „Nutuk Külliyatı“ wurden Sonderausgaben in acht Sprachen vorbereitet. Eine neue digitale Plattform bietet zudem Zugang zu Texten, Audio- und Videoinhalten sowie interaktiven Karten. Auch barrierefreie Fassungen in Gebärdensprache, als Hörversion und in Brailleschrift gehören zum Projekt.

Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy stellte das Projekt im Atatürk-Kultur-, Sprach- und Geschichtsinstitut vor. Erarbeitet wurde es vom Atatürk-Forschungszentrum. „Nutuk“ dokumentiert Atatürks Darstellung des türkischen Unabhängigkeitskampfes, der Gründung der Republik und der anschließenden Modernisierungsbemühungen. Das Werk beschreibt die historischen Ereignisse ab dem 19. Mai 1919 anhand von Dokumenten.

Nach Angaben Ersoys entstand die Initiative 2025, weil die bisherigen fremdsprachigen Ausgaben von „Nutuk“ weitgehend vergriffen waren. Das Projekt wurde dem Präsidialamt für Strategie und Haushalt vorgelegt, mit Zustimmung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan in das Investitionsprogramm aufgenommen und anschließend weiterentwickelt.

Digitale Plattform verbindet Lesen und Recherche

Unter www.nutuk.gov.tr ist eine neue Plattform verfügbar, auf der das Werk zunächst in seiner ursprünglichen Sprache, in modernem Türkisch und auf Englisch gelesen werden kann. In weiteren Projektphasen sollen Inhalte auf Turkmenisch, Kasachisch, Deutsch, Französisch, Persisch, Urdu, Russisch und Spanisch hinzukommen.

Texte, Audioaufnahmen und Videos sind miteinander verknüpft. Nutzer können zwischen Text und Ton, Video und Text sowie verschiedenen Sprachversionen wechseln. Neben den Karten aus dem Originalwerk steht eine interaktive Karte mit den darin erwähnten Ortsnamen zur Verfügung. Sie zeigt, an welchen Stellen des Buches bestimmte Orte vorkommen, und ermöglicht den direkten Zugriff auf die entsprechenden Passagen.

Zusätzliche Verknüpfungen führen zu Nachschlagewerken wie der Atatürk-Enzyklopädie, der Enzyklopädie der türkischen Welt sowie Wörterbüchern des Türkischen Historischen und des Türkischen Sprachinstituts. Registrierte Nutzer können außerdem zu einzelnen Kapiteln Notizen speichern und von verschiedenen Geräten aus abrufen.

Ergänzend werden historische Ereignisse, wissenschaftliche Veröffentlichungen, Dokumente und Fotografien zur Recherche bereitgestellt. Rubriken wie „Nutuk heute“ und „Rede der Woche“ sollen den Zugang zu den historischen Inhalten vertiefen.

Barrierefreie Ausgaben für unterschiedliche Bedürfnisse

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die barrierefreie Aufbereitung des Werks. Die neuen Angebote umfassen Audiofassungen, Inhalte in Gebärdensprache und eine Ausgabe in Brailleschrift. Die Braille-Ausgabe wurde in drei Bänden veröffentlicht.

Damit soll „Nutuk“ auch Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen zugänglich gemacht werden. Ersoy betonte, dass das Werk nicht nur bewahrt, sondern für möglichst viele Menschen nutzbar gemacht werden solle.

Sonderausgaben in acht Sprachen

Neben Türkisch wurden Sonderausgaben auf Englisch, Deutsch, Französisch, Kasachisch, Russisch, Urdu, Persisch und Turkmenisch vorgestellt. Die Bücher erhalten neue Umschlaggestaltungen und werden in Schubern präsentiert. Jede Sprachfassung ist durch eine eigene Farbgebung gekennzeichnet, folgt aber einem gemeinsamen Gestaltungskonzept.

Besondere Bedeutung haben laut Ersoy die kasachischen und turkmenischen Übersetzungen, die den Zugang zum Werk in der türkischen Welt erleichtern sollen. Durch die internationale Verbreitung könnten Leser in unterschiedlichen Ländern die jüngere Geschichte der Türkei unmittelbar anhand von Atatürks Darstellung nachvollziehen.

Weitere Projekte zum 100. Jahrestag 2027

Die Initiative soll 2027 fortgesetzt werden. Anlässlich des 100. Jahrestags der öffentlichen Vorlesung von „Nutuk“ sind von Februar bis November Konferenzen geplant. Sie sollen in Ankara und an wichtigen Orten des türkischen Unabhängigkeitskampfes stattfinden und die Bedeutung des Werks für die Geschichte der Republik sowie seine Bezüge zur Gegenwart beleuchten.

Darüber hinaus sind eine mobile Anwendung, zusätzliche Funktionen für die digitale Plattform und ein virtuelles Museum vorgesehen. Eine Metaverse-Ausstellung soll es Nutzern ermöglichen, die historische Welt von „Nutuk“ digital zu erkunden. Geplant ist außerdem eine wissenschaftliche Publikation mit dem Titel „Atatürks Nutuk im 100. Jahr“. Auch eine spanische Ausgabe in gedruckter und digitaler Form ist Teil der weiteren Vorhaben.

Ersoy unterstrich, dass Technologie dabei kein Selbstzweck sei. Sie solle vielmehr dazu beitragen, das gemeinsame historische Gedächtnis zu stärken, das Geschichtsbewusstsein zu fördern und das kulturelle Erbe der Türkei international sichtbarer zu machen.

Zum Abschluss würdigte der Minister Atatürk, seine Mitstreiter und die Helden des Unabhängigkeitskampfes. Er dankte den beteiligten Institutionen und Mitarbeitern und bezeichnete das Projekt als wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Weitergabe des historischen Erbes an kommende Generationen.