ANKARA – Eine historische Tierart aus Anatolien erlebt in ihrer Heimat Türkei ein Comeback: Das Angora-Kaninchen, berühmt für sein langes, seidiges Fell, wird in Ankara wieder angesiedelt. Die Rasse, nach der die Stadt früher Angora genannt wurde, war seit dem 18. Jahrhundert in der Türkei ausgestorben.
Ein Projekt der Elmadağ-Gemeinde, gestartet 2022, begann mit der Einfuhr von zwei Kaninchenpaaren aus den Niederlanden. Heute umfasst die Population bereits 130 Tiere, die auf einer speziellen Fläche namens „Rabbit Island“leben.
Angora-Kaninchen sind weltweit für ihr weiches, luxuriöses Fell bekannt. Ursprünglich aus Ankara stammend, verbreitete sich die Rasse über Handelsrouten nach Europa und später in die USA, wo verschiedene Unterarten wie English, French, Giant und Saint Agoras entwickelt wurden.
Die Anlage in Elmadağ, die seit 2024 für Besucher kostenlos zugänglich ist, war zunächst auf Tourismus ausgerichtet, weitet ihre Aufgaben inzwischen aber auf wissenschaftliche und industrielle Nutzung der Wolle aus. Experten loben die Angora-Wolle als bis zu siebenmal wärmer als Schaf- oder Ziegenwolle, mit isolierenden Eigenschaften selbst bei Nässe.
Gül Alçıkaya, Leiterin von Rabbit Island, betont die empfindliche Natur der Tiere: „Reinrassige Angora-Kaninchen sind psychologisch sehr sensibel. Bei Stress hören sie auf zu fressen. Futteraufnahme, Kot und Ohren müssen täglich überwacht werden.“
Die zweite Projektphase umfasst Wollforschung durch Universitäten und die Förderung weiblicher Beschäftigung. Das Zentrum zieht auch viele Besucher an: Während der Sommersaison besuchen täglich 300 bis 400 Personen die Kaninchen, sowohl Einheimische als auch Touristen.
Dank des Projekts kehrt eine alte türkische Rasse zurück und trägt gleichzeitig zur Forschung, Industrie und zum Tourismus bei.