Türkische Handelsschiffe, die in 14 als besonders gefährlich eingestuften Seegebieten unterwegs sind, unterliegen der höchsten internationalen Sicherheitsstufe. Das erklärte der türkische Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloğlu bei der Beantwortung parlamentarischer Anfragen zur Sicherheit der Handelsschifffahrt.
Für Schiffe, die diese Gebiete anlaufen, gelten demnach die Verfahren der Sicherheitsstufe 3 gemäß dem Internationalen Code für die Gefahrenabwehr auf Schiffen und in Hafenanlagen (ISPS-Code). Diese Stufe wird angewendet, wenn ein Sicherheitsvorfall als wahrscheinlich oder unmittelbar bevorstehend gilt.
14 Hochrisikogebiete weltweit
Die Liste umfasst Häfen, Küsten und vorgelagerte Gewässer von Israel, Iran, Palästina, Libanon, Sudan, Syrien, Libyen, Jemen, Ukraine und Somalia. Hinzu kommen russische Häfen und Gewässer im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer sowie der Golf von Aden und die Meerengen Bab al-Mandab und Hormus.
Uraloğlu betonte, dass Seeleute das Recht hätten, gefährliche Arbeiten abzulehnen. Wenn sich eine Bedrohung nicht abwenden lasse, könnten Besatzungsmitglieder zudem verlangen, ein gefährliches Gebiet zu verlassen.
Das Ministerium wolle die bestehenden Schutzmaßnahmen aufrechterhalten und sie an die jeweilige Sicherheitslage anpassen.
Zugang an Bord kann stark eingeschränkt werden
Die Sicherheitsstufe 3 sieht weitreichende Schutzmaßnahmen vor. Dazu gehören die Beschränkung des Zugangs auf einen kontrollierten Eingang sowie die Zulassung ausschließlich autorisierter Personen an Bord. Weitere Bereiche eines Schiffes können gesperrt werden.
Auch der Umschlag von Waren kann betroffen sein: Be- und Entladearbeiten dürfen ausgesetzt, Lieferungen besonders streng kontrolliert, verzögert oder zurückgewiesen werden. Je nach Gefahrenlage kann ein Schiff zudem aus einem gefährdeten Gebiet verlegt oder evakuiert werden.
IMO meldet Tote und zahlreiche Zwischenfälle
Wie ernst die Lage für die Handelsschifffahrt ist, zeigen Zahlen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Bis zum 2. November hatte die Organisation in der Straße von Hormus und der weiteren Nahostregion 125 Zwischenfälle bestätigt. Dabei kamen 24 Seeleute ums Leben.
Auch Angriffe auf zivile Handelsschiffe im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer hat die IMO verurteilt. Nach einer Reihe solcher Vorfälle im Juli forderte IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez die Konfliktparteien auf, die zivile Schifffahrt zu schützen. Angriffe gefährdeten nicht nur die Besatzungen, sondern störten auch Lieferketten und bedrohten die Meeresumwelt.