Afrikanische Hitzewelle erreicht die Türkei – Temperaturen bis 40 Grad erwartet

02.06.2026 – 12:00 Uhr

Eine massive Hitzewelle afrikanischen Ursprungs steht bevor und wird die Türkei ab Mitte dieser Woche fest im Griff haben. Meteorologen warnen vor drastisch steigenden Temperaturen, die vielerorts Werte über 40 Grad erreichen könnten. Während die Welt gebannt auf das Wetterphänomen El Niño schaut, rückt für die Menschen zwischen Ägäis und Anatolien eine viel unmittelbarere Gefahr in den Fokus: eine kompromisslose Gluthitze, die den Juni zu einem Extremmonat machen dürfte.

Die unmittelbare Gefahr: Ein Backofen namens Afrika

Nach einem vergleichsweise kurzen Frühling erfolgt nun der Temperaturschock. Laut Dr. Güven Özdemir, Meteorologe an der Istanbul Aydın Universität, setzt sich ab sofort ein afrikanisches Hochdruckgebiet durch. „Unser Land gerät ab heute und morgen unter den Einfluss einer Hitzewelle aus Afrika”, erklärt der Experte. Die Folgen sind drastisch: Die Temperaturen werden flächendeckend um 5 bis 9 Grad über die saisonalen Normalwerte schnellen.

Besonders betroffen sind die Ägäisregion, der Süden und das Hinterland der Marmara-Region sowie Zentralanatolien. Für Städte wie Ankara, Eskişehir und Konya werden Spitzenwerte prognostiziert, die weit über dem Üblichen liegen. Noch heißer wird es im Süden und Südosten. Im Mittelmeerraum und in Südostanatolien sind Werte von 36 °C und mehr sicher. In Provinzen wie Aydın, Manisa und Denizli, aber auch lokal in Muğla und Izmir muss mit extremer Hitze gerechnet werden.

Der gefährlichste Aspekt ist jedoch die gefühlte Temperatur. Dr. Özdemir warnt ausdrücklich davor, sich von reinen Messwerten täuschen zu lassen: „Auch wenn die Lufttemperatur die 40-Grad-Marke vielleicht nicht immer überschreitet, kann die gefühlte Temperatur, sobald der Wind nachlässt, selbst in der Marmara-Region auf über 40 Grad steigen.“ Diese Schwüle stellt eine enorme Belastung für den Kreislauf dar und erhöht das gesundheitliche Risiko massiv.

Falscher Sündenbock El Niño: Die wahren Treiber der Hitze

Dr. Özdemir hält die aktuelle Debatte um das globale Wetterphänomen El Niño in Bezug auf die Türkei für irreführend. Er stellt klar: „Es ist wissenschaftlich nicht korrekt, einen heißen Sommer in der Türkei pauschal mit El Niño zu begründen.“ Für das Wetter am Bosporus und in Anatolien seien vielmehr die Bodenfeuchte, die Dürrebedingungen und vor allem die Meeresoberflächentemperaturen im Mittelmeer, der Ägäis und dem Marmarameer entscheidend. Hinzu kommen die Position des Azorenhochs über dem Atlantik und die Nordatlantik-Oszillation. Die direkte, bestimmende Rolle spiele jedoch der heiße Luftmassentransport aus Afrika.

Die Forschung blickt derweil mit Sorge auf historische Parallelen. So löste der verheerendste je aufgezeichnete Super-El Niño von 1877–1878 eine globale Katastrophe mit Dürren, Hungersnöten und geschätzten 50 Millionen Toten aus. Das entsprach bis zu vier Prozent der damaligen Weltbevölkerung. Hochgerechnet auf heute wären potenziell Hunderte Millionen Menschen betroffen – ein Szenario, das die Verwundbarkeit durch extreme Klimaereignisse, unabhängig von El Niño, drastisch vor Augen führt.

Ausblick Juni: Ein Monat zwischen Extremhitze und vereinzelten Gewittern

Mit der Extremhitze wächst auch die Gefahr von Waldbränden. Dr. Özdemir mahnt zu besonderer Wachsamkeit: „Durch die trocken-heiße Witterung steigt das Waldbrandrisiko ab diesem Monat signifikant an. Bürger und Behörden sind zu höchster Vorsicht aufgerufen.“

Für die 16-Millionen-Metropole Istanbul zeichnet sich ein überdurchschnittlich warmer und zu trockener Juni ab. Die durchschnittlichen Tageshöchstwerte liegen bei 32 bis 33 Grad, mit Ausreißern bis nahe 38 Grad. Abkühlung ist nur begrenzt in Sicht: Zwischen dem 10. und 20. Juni sind lediglich vereinzelte, kurze Gewitter möglich. „Insgesamt wird Istanbul in diesem Juni voraussichtlich weniger Regen als üblich abbekommen”, so der Meteorologe. Zum Monatsende hin droht der nächste Hitzeschub: In der gesamten Marmara-Region werden für die letzte Juniwoche Temperaturen von 2 bis 3 Grad über dem Normalwert erwartet. Die steigende Luftfeuchtigkeit wird für ein drückend-schwüles Klima sorgen.