65 Jahre Anwerbeabkommen: NRW-Ministerpräsident Wüst reist in die Türkei

29.09.2026 – 11:00 Uhr

Ankara – Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst ist zu einem dreitägigen Besuch in die Türkei aufgebrochen. Anlass ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens von 1961, das die Zuwanderung Hunderttausender türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland einleitete. Es ist die erste offizielle Türkei-Reise eines amtierenden NRW-Ministerpräsidenten.

Wüst startete seine Reise am 28. September in Ankara, wo politische Gespräche auf dem Programm standen. Anschließend reist er nach Istanbul weiter. Dort sind unter anderem eine Wirtschaftskonferenz sowie die Verleihung der Mevlüde-Genç-Medaille an den früheren Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, İlkay Gündoğan, geplant. Die Auszeichnung würdigt dessen gesellschaftliches Engagement für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben.

Enge Verbindungen zwischen NRW und der Türkei

Nordrhein-Westfalen hat besonders enge gesellschaftliche und wirtschaftliche Verbindungen zur Türkei. Rund ein Drittel der Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland lebt in dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Das jährliche Handelsvolumen zwischen NRW und der Türkei liegt nach Angaben der Landesregierung bei rund zehn bis zwölf Milliarden Euro.

Wüst wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Er sprach sich unter anderem für eine Weiterentwicklung der EU-Türkei-Zollunion aus. Nach seinen Angaben biete die Türkei für Deutschland erhebliche wirtschaftliche Chancen.

„Neues Kapitel“ in den Beziehungen

Wüst bezeichnete die Reise als Gelegenheit, ein neues Kapitel in den Beziehungen aufzuschlagen. Eine enge Partnerschaft ermögliche es auch, kritische Themen offen anzusprechen, sagte der NRW-Ministerpräsident.

Zum Auftakt seiner Reise kam Wüst überraschend auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Ankara zusammen. Nach Angaben Wüsts ging es dabei vor allem um die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Er sprach demnach auch die von der Türkei angestrebte Reform der Zollunion sowie Fragen der Rechtssicherheit an.