Die Türkei hat am 30. August den 104. Jahrestag des Tag des Sieges begangen. Der Nationalfeiertag erinnert an den entscheidenden Sieg im türkischen Unabhängigkeitskrieg im Jahr 1922. Präsident Recep Tayyip Erdoğan besuchte aus diesem Anlass das Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk in Ankara. Gleichzeitig fanden landesweit Feierlichkeiten und eine große Marineparade auf dem Bosporus statt.

Die offiziellen Feierlichkeiten begannen in der Hauptstadt Ankara. Erdoğan besuchte gemeinsam mit hochrangigen Regierungsvertretern, Militärkommandeuren und Parteivorsitzenden das Anıtkabir, das Mausoleum Atatürks.
Erdoğan legte einen Kranz nieder und gedachte Atatürk und dessen Weggefährten mit einer Schweigeminute. Anschließend trug er sich in das offizielle Gedenkbuch ein. In seiner Botschaft würdigte der Präsident Atatürk und seine Mitstreiter und betonte zugleich den Willen der Türkei, in allen Bereichen weiter an Stärke zu gewinnen.
Marineparade auf dem Bosporus
Nach den staatlichen Zeremonien in Ankara richtete sich die Aufmerksamkeit auf das Meer. Das Verteidigungsministerium organisierte eine große maritime Parade. 15 Kriegsschiffe fuhren durch den Bosporus, während 30 weitere Schiffe in 30 Häfen im ganzen Land anlegten und von der Bevölkerung besichtigt werden konnten.

Die Parade auf dem Bosporus begann um 9.30 Uhr am Rumeli Feneri und führte bis zum Mädchenturm (Kız Kulesi), den die Schiffe gegen 11.06 Uhr erreichten. Gleichzeitig wurde auf dem Bosporus der Victory Cup, eine Segelregatta, ausgetragen.
Auch das Kunstflugteam SOLOTÜRK der türkischen Luftwaffe zog in Istanbul zahlreiche Besucher an. Im Luftfahrtmuseum trafen die Piloten auf Luftfahrtbegeisterte und gaben Autogramme.
Gedenken an den Unabhängigkeitskrieg
Auch an anderen Orten des Landes wurde der Tag des Sieges mit besonderen Veranstaltungen begangen.
In der nordwestlichen Provinz Çanakkale tauchten Mitglieder der Küstenwache gemeinsam mit zivilen Experten im historischen Unterwasserpark von Gallipoli. Dort erkundeten sie Wracks aus dem Ersten Weltkrieg und entrollten unter Wasser eine türkische Flagge mit dem Porträt Mustafa Kemal Atatürks.
Historische Gegenstände standen ebenfalls im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. In einem Café der türkischen Religionsstiftung wurde eine 106 Jahre alte Nähmaschine ausgestellt, mit der während des Unabhängigkeitskriegs Uniformen für Soldaten angefertigt worden sein sollen.
In der westtürkischen Provinz Manisa fertigten zudem 15 Frauen innerhalb von zehn Tagen eine 1,5 mal 2,25 Meter große türkische Flagge. Dafür verwendeten sie rund drei Kilogramm Garn und arbeiteten insgesamt 1.813 Motive in die Flagge ein.
Das Verteidigungsministerium öffnete außerdem mehrere militärhistorische Museen kostenlos für Besucher, darunter Einrichtungen in Ankara, Çanakkale, Hatay, Istanbul, Izmir, Izmit, Mersin und Zonguldak Ereğli.
Hintergrund: Der Tag des Sieges
Der Tag des Sieges (Zafer Bayramı) erinnert an den entscheidenden Sieg der türkischen Truppen über die griechischen Besatzungstruppen in der Schlacht von Dumlupınar am 30. August 1922.
Die von Mustafa Kemal Atatürk geführte türkische Großoffensive hatte am 26. August 1922 begonnen und gipfelte vier Tage später im entscheidenden Sieg von Dumlupınar. Dieser Sieg ebnete den Weg für die Gründung der Republik Türkei.
Der 30. August wird seit 1926 offiziell als Tag des Sieges in der Türkei gefeiert.