imago images / Hindustan Times

Zwei Millionen droht Abschiebung nach Bangladesch

31.8.2019 20:37 Uhr

Die Regierung des Bundesstaates Assam hat mit ihrem umstrittenen Staatsbürgerregister fast zwei Millionen Menschen zu illegalen Einwanderern erklärt. Ihnen droht nun Abschiebung, sollten sie es nicht schaffen, nachzuweisen, dass ihre Familie bereits vor 1971 in Assam lebte. Das ist aber so gut wie unmöglich.

Auf dieser Liste fehlen rund 1,9 Millionen Bewohner. Ihnen droht die Unterbringung in Aufnahmelagern, die Abschiebung ins benachbarte Bangladesch oder die Staatenlosigkeit. Das arme und überbevölkerte Bangladesch erkennt diese Menschen nicht als eigene Bürger an.

Kritiker sprechen von einer gegen Muslime gerichteten Maßnahme der hindu-nationalistischen Partei BJP, die sowohl Indien als auch Assam regiert.

"Eindringlinge"?

Die auf der Liste nicht genannten Menschen müssen innerhalb von vier Monaten nachweisen, dass ihre Familien schon vor der Staatsgründung Bangladeschs im Jahr 1971 in Indien lebten. Hindu-Nationalisten sehen Muslime der bengalischsprachigen Minderheit als Eindringlinge - ein Wort, das auch Indiens Premierminister Narendra Modi schon gebraucht hat.

Ein vorläufiges Bürgerregister war im Juli veröffentlich worden. Damals waren noch die Namen von rund vier Millionen Menschen ausgelassen worden. Offiziell könnten die nun nicht genannten knapp zwei Millionen Menschen erst dann zu Ausländern erklärt werden, wenn alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft seien, sagten indische Behörden. Assam hat derzeit sechs Aufnahmelager mit Platz für maximal 1000 Menschen.

Humanitäre Katastrophe droht

Dhaka alarmierte am Samstag seinen Grenzschutz. So soll verhindert werden, dass nun Menschen aus dem benachbarten Assam nach Bangladesch kämen, hieß es.

"Der wegen ihrer Tee-Exporte berühmten Region Assam droht eine humanitäre Katastrophe", sagte der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen, Ulrich Delius. "Indien soll zum Hindu-Staat gemacht werden, in dem kein Platz für Andersgläubige und Minderheiten ist."

(be/dpa)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.