dpa

Zwei junge Frauen ermordet

28.7.2019 18:59 Uhr

Ein Lichtermeer von Kerzen als Mahnung gegen tödliches Polizeiversagen: In Rumänien hat die Arbeit der Polizei zu einem Verbrechen an zwei jungen Frauen Empörung ausgelöst, weil die Polizei nicht schnell genug auf Notrufe reagiert haben soll.

Ein am Freitag festgenommener Tatverdächtiger hatte am Sonntag nach Angaben seines Rechtsanwaltes gestanden, eine 15-Jährige und eine 18-Jährige getötet zu haben, nachdem beide Sex verweigert hätten.

Proteste in Rumänien

Tausende Demonstranten in Bukarest und in anderen Orten des Landes beschuldigten die Polizei am Samstagabend der Inkompetenz. Auch Staatspräsident Klaus Iohannis und Ministerpräsidentin Viorica Dancila warfen der Ermittlungsbehörde Versagen vor.

Die 15-Jährige galt tagelang als verschwunden. Sie hatte mehrmals mit einem Mobiltelefon per Notruf die Polizei darüber verständigt, dass sie in einem Haus in der südrumänischen Stadt Caracal gefangengehalten werde. Dennoch wurde sie von der Polizei nicht gerettet. Noch vor diesen Notrufen hatte eine Nachbarin des Verdächtigen nach eigenen Angaben aus dem Haus Schreie gehört und dies der Polizei gemeldet - die darauf nicht reagiert habe. Von dem 18 Jahre alten Opfer hatte seit April jede Spur gefehlt.

Beide Frauen hatten den Tatverdächtigen seinem Geständnis zufolge kennengelernt, als sie per Anhalter unterwegs waren. Der Mann habe sie in seinem Auto mitgenommen und zu sich nach Hause gebracht, um Sex mit ihnen zu haben. Weil die jungen Frauen dies ablehnten, habe er sie umgebracht.

Ohrringe und Reste menschlicher Knochen

Ermittler fanden in der Wohnung des mutmaßlichen Mörders einen Ohrring der 15-Jährigen sowie Reste menschlicher Knochen, die noch niemandem zugeordnet wurden. Nun bleibt, wie der Mann die Frauenleichen beseitigte.

Zum Umgang mit den Notrufen erklärte die Polizei, dass es technisch unmöglich gewesen sei, die Anruferin zu orten, die die Adresse ihres Aufenthaltsorts nicht genau angeben konnte. Dazu soll der Chef des staatlichen Spezial-Telekommunikationsdienstes STS, Sorinel Vasilca, an diesem Montag vom Verteidigungsausschuss des Parlaments befragt werden.

Staatschef Iohannis sieht in dem Fall ein Zeichen dafür, dass aufgrund korrupter Praktiken inkompetente Menschen bei der Polizei arbeiten dürfen. "Solange Korruption, Inkompetenz und die Beförderung aufgrund anderer Kriterien als Fachkenntnis von politischen Entscheidern gefördert werden, leidet die ganze Gesellschaft", schrieb der Präsident.

(gi/dpa)

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