Symbolbild: epa/Yonhab

Zivildienst nun auch in Südkorea

31.12.2019 10:16 Uhr

In Südkorea wird nun der seit langem geforderte Zivildienst eingeführt. Doch die Idee, den Wehrdienst aus Gewissensgründen verweigern zu können, stößt auch auf Kritik. Südkoreaner, die aus religiösen oder anderen persönlichen Überzeugungen den Pflichtwehrdienst verweigern, könnten von Beginn des nächsten Jahres an einen dreijährigen Dienst in einer Justizvollzugsanstalt antreten, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul am Montag mit.

Der Zivildienst wird damit bei weitem länger als der Militärdienst sein, der in Südkorea je nach Waffengattung 21 bis 24 Monate dauert.

Betroffen sind vor allem die Zeugen Jehovas

Südkoreas Parlament hatte am Freitag das Gesetz verabschiedet. Es folgte damit einer Entscheidung des Verfassungsgerichts vom vergangenen Jahr, wonach bis Ende 2019 eine Regelung eingeführt werden müsse. In fast jedem Jahr wurden bisher Hunderte Wehrdienstverweigerer zu Haftstrafen verurteilt, die 18 Monate lang oder länger sein konnten. Die meisten Betroffenen waren oder sind Mitglieder der christlichen Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas.

Das Urteil der Verfassungsrichter wurde damals von den Gruppen, die sich für die Rechte der Wehrdienstverweigerer einsetzten, begrüßt. Doch kritisierte Amnesty International in einer Reaktion auf den Parlamentsbeschluss, dass Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen durch die jetzige gesetzliche Regelung «weiterhin bestraft und stigmatisiert» würden.

«Menschen darauf einzuschränken, in einem Gefängnis zu arbeiten, und das fast zweimal so lang wie beim normalen Militärdienst, respektiert nicht ihr Recht auf Gedanken-, Gewissens-, Religions- oder Glaubensfreiheit», sagte der Ostasienforscher bei Amnesty, Arnold Fang. Mit 36 Monaten ist laut Amnesty der alternative Dienst in Südkorea der längste weltweit.

(an/dpa)

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